Im Zuge der Auflösung der beiden Stadtvereine FC Hertha und FC Rapid beschlossen einige junge Salzburger im September 1933 die Sportvereinigung Austria Salzburg zu gründen. Wenige Wochen später hatten die in violett-weiß gekleideten Kicker schon ihren ersten Auftritt in der Zweiländerliga Oberösterreich/Salzburg und erreichten prompt ein spektakuläres 4:4 gegen Austria Germania Linz. Nach vielen Jahren in der Landesklasse gelang 1953 der Aufstieg in die Staatsliga A, der bis dato höchsten Spielklasse im österreichischen Fußball.

In den darauffolgenden Jahren heimste sich die junge Salzburger Mannschaft den unrühmlichen Titel ‚Fahrstuhlmannschaft‘ ein. Auf sich aufmerksam machte die Austria nur 1961, als man gegen den damaligen Deutschen Meister 1. FC Nürnberg ein beachtliches 0:0 erreichte. Als Vizemeister in der Saison 1970/71 qualifizierte sich die Austria erstmals für den UEFA-Cup.

Geldprobleme und internationaler Durchbruch

Mit zwei Niederlagen gegen UT Arad aus Rumänien schied die Austria jedoch in der ersten Runde aus. Einziger Lichtblick war das damals neu erbaute Stadion. Die Arena ließ den Zuschauerschnitt katapultartig auf 8.700 Besucher ansteigen – bisheriger Vereinsrekord. Zum 40-jährigen Vereinsjubiläum beklagten die Verantwortlichen einen Schuldenberg in Höhe von 10,6 Millionen Schilling – der Verein stand kurz vor dem Aus.

Der Namensverkauf und die daraus resultierende Umbenennung in ‚SV Gerngross A. Salzburg‘ spülte genug Geld in die klamme Vereinskasse, um diesen vor dem Ruin zu retten. Mit einer neuformierten jungen Mannschaft gelang international der Durchbruch. 1976 kamen die Kicker von der Salzach bis in die dritte Runde des UEFA-Cups. Dort scheiterten sie aufgrund der Auswärtstorregel im Rückspiel bei Roter Stern Belgrad mit 0:1.

Die erfolgreichsten Jahre und das Aus

Bis zur Übernahme von Red Bull 2005 etablierten sich die ‚Violetten‘ in der Bundesliga. Die größten Erfolge waren das Erreichen des UEFA-Cup-Finals 1994 gegen Inter Mailand (0:1) und der Gewinn des ersten Meisterschaftstitels in der darauffolgenden Saison. Zudem gelang es den Salzburgern, sich als erste österreichische Mannschaft für die Champions League zu qualifizieren.

Ein kompletter Vereinsumbau und abermalige Geldprobleme sorgten in der Folgezeit jedoch dafür, dass die Austria nur noch zum grauen Mittelmaß der Bundesliga gehörte. Nachdem zahlreiche Leistungsträger die Salzachkicker verlassen hatten und sich der Verein in der Katastrophensaison 2004/05 gerade so über dem Strich halten konnte, kam Dietrich Mateschitz, Teilhaber des Energy-Drink-Riesen Red Bull auf die Idee, Austria Salzburg aufzukaufen. Ein runderneuertes Image sollte international wieder für Furore sorgen.

Große Anfangseuphorie

Auch die treuesten Austria-Anhänger konnten sich zunächst mit der Idee von Mateschitz, den Salzburger Fußball international wieder aufleben zu lassen, anfreunden. Schnell merkten die Fanscharen aber, dass es nicht darum geht, Austria Salzburg zu erhalten, sondern einen komplett neuen Verein zu gründen. Spätestes nach der Trikotpräsentation zur neuen Saison kam auch der letzte Austria-Fan zur Besinnung. Zu sehen war dort ein Trikot in rot und weiß sowie mit den ‚Roten Bullen‘ auf der Brust.

Man muss einen Schnitt machen. Der Verein ist nicht aus dem alten entstanden. Es ist ein neuer Verein. Es gibt einen neuen Besitzer. Alles ist neu“, stellte der damalige Sportdirektor Heinz Hochhauser klar, dass man mit der ‚alten‘ Austria nichts mehr zu tun haben wolle. Der vormalige Traditionsverein war somit nicht mehr existent und viele Fans konnten sich mit dem neuen Projekt nicht identifizieren.

‚Schnitzelsemmelaffäre‘ stoppte Neuanfang

Die Fanszene der Austria nahm nun ihr eigenes Schicksal in die Hand. Im Oktober 2005 wurde schließlich der ‚Sportverein Austria Salzburg‘ in das Vereinsregister eingetragen. Mit dem PSV/SW Salzburg fusionierte man kurzerhand und startete somit in der Landesliga einen Neuanfang – bis Juni 2006. Den Verantwortlichen der Austria wurde garantiert, dass die Fußballsektion der PSV/SW Salzburg schnellstmöglich ausgegliedert wird.

Hinter den Kulissen kam es aufgrund der Ausgliederung immer wieder zu Streitigkeiten. Nach dem angeblich illegalen Verkauf von Schnitzelsemmeln bei einem Heimspiel warf das Präsidium des PSV/SW Salzburg der Austria Vertragsbruch vor und beendete daraufhin die Zusammenarbeit. Die ‚Violetten‘ standen abermals ohne Fußballplatz und Ausrüstung da. Am 14. Juni 2006 wurde auf einer Mitgliederversammlung beschlossen, mit dem Verein den Weg in die unterste Klasse zu gehen.

Durchmarsch bis in die Regionalliga

Es war einfach grandios. Keiner hat uns irgendwas zugetraut. Wir sind dann in der untersten Liga mit tausenden von Leuten zu Auswärtsspielen gefahren. In Orte, die nicht einmal so viele Einwohner haben“, kommt David Rettenbacher, Mitbegründer und Mitglied der Fan-Gruppierung Union Ultrà, über die Zeit in der 2. Klasse A Nord ins schwärmen. Bis 2010 gelangen der Austria vier aufeinanderfolgende Aufstiege.

Die ‚Violetten‘ waren somit in der dritthöchsten Spielklasse Österreichs, der Regionalliga, angekommen. Hier mussten sich die Verantwortlichen dem nächsten Problem stellen: Aufgrund des maroden Stadions und der nicht vorhandenen Flutlichtanlage konnte der angepeilte Aufstieg in die zweite Liga nicht realisiert werden.

Stadionumbau und Rückkehr in den Profifußball

Über eine Million Euro sollte der Umbau des Stadions kosten. Ein Betrag, den die Anhänger größtenteils selbst stemmen wollten. Deshalb wurde der Fanfond ‚Eine Heimat für Austria‘ ins Leben gerufen. Im Jahr 2010 wurde Walter Windischbauer zum neuen Vereinspräsidenten gewählt. Damit übernahm ein ehemaliger Verbandsfunktionär, der zudem noch gute Kontakte in die Politik hatte, das Ruder. Mit gesammelten Spenden in Höhe von 120.000 Euro konnte Windischbauer den hiesigen Stadtrat überzeugen. Die Stadt Salzburg übernahm den restlichen Betrag und der Stadionumbau nahm seinen Lauf.

Im vorletzten Spiel der Regionalliga-Saison 2014/15 war es dann soweit. Die Austria siegte beim FC Kitzbühel mit 1:0 und sicherte sich damit die Rückkehr in den österreichischen Profifußball. Dass solcher nun wieder in Salzburg gespielt wird, sorgte europaweit für Aufsehen. Viele Fangruppierungen gratulierten der Austria via Spruchband zum Aufstieg. In der laufenden Zweitliga-Saison belegen die Salzachkicker mit acht Punkten aus elf Spielen den achten Rang.

Diese österreichische Fußballromanze zeigt, dass der Kauf eines Traditionsvereins nicht gleichzeitig dessen Ende bedeuten muss. Mäzen Dietrich Mateschitz hält zum jetzigen Zeitpunkt einen Rückzug aus dem Salzburger Fußballgeschäft nicht für ausgeschlossen. Er zeigte sich vor allem mit den international gezeigten Leistungen nicht zufrieden. Für den Vermarktungsapparat ‚Red Bull Salzburg‘ würde dieses Szenario das sichere Aus bedeuten.