Australien, die Zeit ‚Arrividerci‘ zu sagen, ist gekommen“. Mit diesen Worten leitet Juve-Legende Alessandro Del Piero seinen Abschied vom FC Sydney ein, den er am heutigen Montag offiziell bekanntgab. Nach zwei Jahren zieht es den mittlerweile 39-jährigen Stürmerstar weiter. Die Juve-Ikone möchte zukünftig als Botschafter für die Asienmeisterschaft 2015 in Australien tätig sein. Ob er seine Treter noch einmal anziehen wird und die Fußballwelt verzaubert, bleibt hingegen abzuwarten. Gut möglich, dass der Entschluss gleichbedeutend mit dem Karriereende eines der größten italienischen Fußballer ist.

In Conegliano, in der Nähe von Venedig geboren, begann Del Pieros Karriere bei San Vendemiano, wo ‚Ale‘ von 1981 bis 1988 kickte. Mit 13 Jahren zog es ihn anschließend weiter zu Calcio Padova, ehe er 1993 schließlich bei seiner großen Liebe Juventus Turin landete. Die ‚Alte Dame‘ hatte sich zuvor gegen die hartnäckige Konkurrenz vom AC Florenz und AC Mailand durchsetzen können.

Umgerechnet 2,6 Millionen Euro legte Juve damals für den technisch genialen Angreifer auf den Tisch. Für damalige Verhältnisse eine stolze Summe für einen 18-Jährigen, der bislang in 14 Serie B-Partien erst einen Treffer erzielen konnte. Aufmerksam machte das Top-Talent insbesondere in der italienischen U18-Nationalmannschaft auf sich, wo es in 14 Spielen zwölfmal traf.

Ravanelli, Baggio, Möller, Kohler

An der Seite der Weltstars Fabrizio Ravanelli, Gianluca Vialli und Roberto Baggio sollte Del Piero in Turin zunächst behutsam an den europäischen Top-Klub herangeführt werden. Unter anderem gehörten auch Jürgen Kohler und Andreas Möller bei den ‚Bianconeri‘ zu seinen damaligen Teamkollegen. Aufgrund einer schweren Verletzung von Baggio erhielt er aber schon in seiner ersten Spielzeit im offensiven 4-3-3 unter Coach Giovanni Trappatoni einige Bewährungschancen. So erzielte der Feingeist in elf Partien fünf Tore, was die Verantwortlichen in Turin verzückte und auf mehr hoffen ließ – wenngleich es einige Zeit dauerte, bis ‚Pinturicchio‘ den ganz großen Durchbruch in der Serie A schaffte.

Mit 21 Jahren sorgte Del Piero 1995/96 mit sechs Toren in zwölf Champions League-Spielen europaweit für Furore. Seinen Spitznamen ‚Pinturicchio‘ erhielt der Torjäger in Anlehnung an den gleichnamigen italienischen Künstler. Eine Untermalung der außerordentlichen Fähigkeiten des Nationalspielers, insbesondere in puncto Kreativität. In Turin angekommen ist der torgefährliche Mittelstürmer endgültig in der Saison 1997/98, als er zu Italiens Fußballer des Jahres gewählt wurde.

„Ein Kavalier verlässt seine Dame nie“

Ein Kavalier verlässt seine Dame nie“, verkündete Del Piero nach dem Zwangsabstieg seines Herzens-Vereins Juventus 2006. Tatsächlich ging der Weltstar, ähnlich wie einige namhafte Kollegen, den bitteren Gang in die Serie B, wo er mit 20 Treffern die Torjägerkanone holte und die ‚Alte Dame‘ zurück in die Serie A schoss. In der Aufstiegssaison wiederholte der 91-fache italienische Nationalspieler das Kunststück und erzielte auch in Italiens höchster Spielklasse die meisten Tore – 21 an der Zahl. Dennoch – nach 19 Jahren, 513 Serie A-Partien und 208 Toren brach der Weltmeister von 2006 seine Zelte in der piemontischen Hauptstadt ab und ging nach Down Under zum FC Sydney. Übel nahm dies der zu diesem Zeitpunkt 37-jährigen Legende wohl niemand. Mit 644 Pflichtspielen und 284 Pflichtspieltoren ist die Klub-Ikone in beiden Statistiken einsame Spitze beim italienischen Rekordmeister. In der A-League traf der Italiener in 47 Partien 24 Mal für seinen neuen Klub.

In seinen bislang 21 Jahren als Profi kann ‚Fenomeno Vero‘, das wahre Phänomen, wie er von den Juve-Fans gerufen wird, stolz auf diverse Titel zurückblicken. Unter anderem wurde Del Piero siebenmal italienischer Meister, holte einmal die Champions League (1996), den Weltpokal (1996) und krönte seine Karriere 2006 mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Zudem wurde er von der FIFA als einer der besten 125 noch lebenden Spieler der Welt geehrt.

Schließlich wurde sogar ein Bereich des Fußballplatzes als ‚Zona Del Piero‘ deklariert. Genau genommen das linke Eck des 16-Meter-Raums, von dem aus der italienische Edeltechniker das Leder nur zu gern in genialer Manier in den rechten oberen Winkel streichelte. Entsprechend wird ‚Pinturicchio‘ nicht nur in den Herzen der Italiener und der Juve-Fans, sondern in denen aller Fußballwelt noch lange präsent bleiben.



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