Knapp über ein Jahr ist es nun her, dass Marwin Hitz erstmals die Schlagzeilen des deutschen Blätterwalds bestimmte. Am 21. Februar 2014 traf der Torwart nach einem Eckball für den FC Augsburg zum 2:2-Ausgleich bei Bayer Leverkusen und wurde somit der erst dritte Keeper der Bundesligageschichte, dem ein Tor aus dem Spiel heraus gelang.

Den zweiten großen Aufschrei löste die Nummer drei der Schweizer Nationalmannschaft in der laufenden Saison aus. Beim Stand von 0:0 in der Auswärtspartie beim 1. FC Köln bekommt der ‚Effzeh‘ einen zweifelhaften Strafstoß zugesprochen. Während seine Kollegen heftig protestieren, ist Hitz eifrig damit beschäftigt, den Rasen rund um den Elfmeterpunkt zu ramponieren.

Schütze Anthony Modeste rutscht wie einem schlechten Hollywoodstreifen tatsächlich auf der unebenen Stelle aus, Hitz ahnt die Ecke und kratzt den Flachschuss des Franzosen von der Linie. Zwar reagiert der 28-Jährige reumütig auf die harsche öffentliche Kritik für seine Unsportlichkeit: „Das war nicht ok und kommt nicht mehr vor“, dennoch war dieser unter regelwidrigen Umständen parierte Elfmeter ein weiteres Element, das das Profil des zuvor jahrelang unscheinbaren Schlussmannes schärfte.

Der Fels in der Brandung

Mittlerweile zeigt Hitz nicht nur mit diskussionswürdigen Aktionen und Torgefahr klare Kante, sondern auch durch seine Leistungen im eigenen Strafraum. Nach dem Horror-Saisonstart seines FCA mit nur einem Sieg aus den ersten zwölf Ligaspielen folgte eine Aufholjagd, die den Vorjahresfünften mittlerweile auf Rang 13 katapultierte. In diesem Zeitraum hielt Hitz seinen Kasten gleich in sieben von elf Spielen sauber und überzeugte durch teils spektakuläre Paraden. Die Torhüter-Notentabelle des ‚kicker‘ führt er an.

Nach dem jüngsten Sieg bei Hannover 96 (1:0) sprach beispielsweise Mitspieler Philipp Max artig seinen Dank aus: „Marwin war wieder einmal sensationell, wir können uns nur bei ihm bedanken.“ Der ‚Goalie‘ selbst meinte ebenso smart wie bescheiden zu seiner Parade in der Schlussminute gegen Alexander Milosevic: „Na ja. Wenn ich bei der Flanke nicht rauskomme, muss ich den Ball eben auf der Linie halten.“ Dennoch weiß er, dass der Leistungssprung nicht von ungefähr kommt: „Ich arbeite hart, und einerseits ist das ja auch schön. Andererseits liegt es auch daran, dass in dieser Spielzeit etwas mehr Bälle auf mein Tor kommen.“

Hitz’ starke Saison hat nun offenbar auch bei anderen Vereinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Die ‚Sport Bild‘ berichtet vom Interesse mehrerer Bundesligisten. Angesichts der kolportierten Ablöseforderung des FCA in Höhe von 25 Millionen Euro klingt das ebenfalls von der Fachzeitschrift ins Spiel gebrachte Interesse mehrerer Klubs aus der englischen Premier League jedoch deutlich valider. Die zahlungskräftigen Briten achten mit Argusaugen auf außergewöhnliche Torwartleistungen im Ausland. Das eigene Personal genügt meist nicht allerhöchsten Ansprüchen.

Klopp mal wieder im Rennen

Bereits am gestrigen Dienstag kursierte das Gerücht, dass Jürgen Klopp Hitz als einen Kandidaten für den Posten beim FC Liverpool in Erwägung zieht. Generell wird dem deutschen Trainer nachgesagt, besonders den deutschen Torwartmarkt im Auge zu haben. Mit dem Belgier Simon Mignolet soll Klopp nicht immer zufrieden sein. Hitz aus seinem bis 2018 gültigen Vertrag rauszukaufen wird jedoch kein Schnäppchen.

Die gehandelte Summe von 25 Millionen Euro ist für einen Torwart tatsächlich happig. Zum Vergleich: Die letzten prominenten Bundesliga-Torwart-Exporte Kevin Trapp (von Eintracht Frankfurt zu Paris St. Germain) und Marc-André ter Stegen (von Borussia Mönchengladbach zum FC Barcelona) gingen für neun respektive zwölf Millionen Euro über die Ladentheke. Ob Hitz nur auf Grund seiner Torgefahr höher dotiert wird, ist jedoch zu bezweifeln.