Einem Paukenschlag kam es gleich, als vergangenen Donnerstag bekannt wurde, dass Sven Bender Borussia Dortmund verlässt. Obwohl die sportliche Rolle des 28-jährigen Defensiv-Allrounders bei den Schwarz-Gelben limitiert war, galt er als Identifikationsfigur, einer der wenigen letzten Helden aus den Meisterjahren 2011 und 2012.

Der Wechsel kam auch deshalb überraschend, weil Bender, der nicht eben für Illoyalität bekannt ist, seinen Kontrakt bei der Borussia im Februar 2016 bis 2021 verlängert hatte. Im Gespräch mit dem ‚kicker‘ begründete der Rosenheimer nun, was ihn zum Wechsel zu Bayer Leverkusen bewegte.

Nach acht Jahren kann ich nicht sagen, dass ich in Dortmund unzufrieden war. Ich weiß, was ich an dem Verein hatte, aber es gab eine Sache, die ich in der Vergangenheit nicht mehr so oft getan habe – auf dem Platz gestanden. Deshalb war es für mich eine rein sportliche Entscheidung. Die Perspektive in Leverkusen ist für mich einfach besser“, sagt der siebenfache deutsche Nationalspieler.

„Lars ist ein schöner Nebeneffekt“

Auch eine mögliche neue Chance unter Trainer Peter Bosz konnte Bender nicht umstimmen: „Danach haben mich einige Leute gefragt. Nach dem Motto: neuer Trainer, neue Chance. Aber ich hatte für mich diese Entscheidung schon gefällt. Ich wollte gerne etwas Neues versuchen, einfach einen neuen Reiz finden.“

Bruder Lars habe bei der Entscheidung keine zentrale Rolle gespielt: „Ich habe mich die ganze Zeit auf das Angebot von Leverkusen konzentriert. Das war die einzige Option, die ich in Betracht gezogen habe, aber die hatte überhaupt nichts mit meinem Bruder zu tun. Sondern es hat mich interessiert, einen Verein zu suchen, bei dem ich gebraucht werde, bei dem ich geschätzt werde. Bayer ist ein Verein, der nach einer schwierigen Saison neu anfangen will. Da habe ich gedacht: Das könnte gut zum mir passen. Ich möchte auch einen Neustart wagen, etwas Neues versuchen. Da war Lars überhaupt kein Faktor. Dass ich jetzt wieder mit ihm zusammenspiele, ist ein schöner Nebeneffekt.“

Unter Heiko Herrlich ist der Neuzugang als Abwehrchef eingeplant, der eine Führungsrolle übernehmen soll: „Das ist das, was ich kann und auch will. Ich glaube schon, dass ich mit meiner Erfahrung und meiner Art und Weise zu spielen, voran zu gehen, dem Verein guttun kann.“

„Wollte etwas anderes als den BVB“

Von Herrlich zeigt er sich überzeugt. „Mein Eindruck ist absolut positiv. Ich glaube, dass Bayer Leverkusen mit ihm einen sehr, sehr guten Trainer gefunden hat“, so Bender, der weiß, worauf es für Bayer in der neuen Saison ankommt: „Für Leverkusen ist es wichtig, wieder eine bessere Rolle in der Liga zu spielen. Jetzt geht es darum, mehr Konstanz rein zu kriegen, das Team zu formen, stabil und erfolgreich zu spielen. Für mich geht es darum, dass ich auf den Platz stehen, vorangehen und meine Leistung bringen will.“

Bei seinem Wechsel habe sich der 28-Jährige ganz bewusst für etwas anderes als den BVB entschieden: „Es ist anders und das war mir auch wichtig. Ich wollte einen Verein haben, der komplett anders ist. Weil mir ganz wichtig war, dass ich nicht von Tag eins anfange, alles zu vergleichen. Solche Vergleiche sind einfach schwierig. Und Bayer 04 ist kein kleiner Verein. Wer es schafft, über die letzten Jahre immer international eine gute Rolle zu spielen, der kann kein kleiner Verein sein.“