Für Jérôme Boateng lief die abgelaufene Saison alles andere als optimal. Sowohl in der Nationalmannschaft als auch beim FC Bayern setzt man nicht mehr auf den 30-Jährigen. „Ich würde ihm empfehlen, den Verein zu verlassen. Denn ich glaube für ihn wäre es besser, wenn er mal andere Luft genießen könnte. Und ich würde ihm als Freund empfehlen, sich einen neuen Verein zu suchen“, ließ Uli Hoeneß zuletzt öffentlichkeitswirksam verlauten. Laut dem Klubpräsidenten wirke Boateng wie ein „Fremdkörper“.

Im Gespräch mit dem ‚kicker‘ erklärt Boateng nun seine Sicht auf die Singe. Dass das Jahr sportlich enttäuschend verlief, weiß aber auch er: „Diese Saison kann ich natürlich nicht als gut für mich bezeichnen. Ich habe viel verloren in diesem Jahr, meinen Platz in der Nationalmannschaft und beim FC Bayern. Es war für beide Seiten ein negatives Jahr, für den Verein und für mich.“

Wechselwunsch 2018

Die erste bittere Pille hatte Boateng dabei schon zu schlucken, bevor die Saison überhaupt losging. „Ich habe im Sommer 2018 nicht umsonst intern gesagt, dass ich unbedingt wegwollte“, bestätigt er, dass er München vor einem Jahr gerne verlassen hätte. Er habe die Zusage der Bayern-Bosse erhalten, gehen zu können, „falls der richtige Klub kommt und das Geld stimmt.“

Paris St. Germain kam, das Geld stimmte, aber gehen durfte Boateng dann trotzdem nicht. Für den 30-Jährigen eine Enttäuschung, die gegenüber den Verantwortlichen ansprach. „Bitte, lasst mich gehen. Ich muss weg. Ich brauche eine neue Herausforderung“, sagte Boateng damals laut eigener Aussage. „Sie sagten, der Trainer will dich unbedingt halten; für ihn bist du die Nummer eins in der Abwehr“, kam die Antwort.

„Etwas bricht in dir zusammen“

Boatengs Wechselwunsch blieb bestehen, das Veto der Bayern aber auch. Dabei hatten die Bayern-Bosse ihren Innenverteidiger vor der Weltmeisterschaft in Russland selbst ins Schaufenster gestellt. „Wenn ein Verein kommt und Jérôme kundtut, dass er zu diesem Verein wechseln möchte, werden wir uns damit befassen“, hatte Karl-Heinz Rummenigge damals gesagt.

Dass die PSG-Offerte dennoch abgelehnt wurde, war für Boateng „erst mal schwer zu verarbeiten. Ich war mit dem Kopf schon weg. Wenn du eine so sichere Zusage bekommst und eine adäquate Summe gezahlt wird, es plötzlich aber Nein heißt, bricht etwas in dir zusammen. So ohne Weiteres ging das nicht spurlos an mir vorbei“. Er habe das Gefühl gehabt, „dass der Verein nicht mehr zu mir stand“.

„Hätte man mir zugestehen müssen“

Seine Abschiedsgedanken hatte Boateng 2018 auch gegenüber dem damaligen Trainer Jupp Heynckes kundgetan. Der Weltmeister von 2014 erinnert sich: „Ich brauchte eine neue Herausforderung. Ich weiß, wie ich bin. Hier schlafe ich ein, das habe ich Jupp Heynckes gesagt, als er mich vor einem Jahr fragte, was ich machen möchte. Ich habe mit Bayern zig Titel gewonnen, kenne die Abläufe in- und auswendig, ich brauchte einen neuen Impuls.“

Dass er den Verein nicht verlassen durfte, kann Boateng nicht nachvollziehen. „Ich bin gerne hier, ich liebe München. Es waren tolle Zeiten. Aber ich weiß, wann ich gehen muss. Und das hätte man einem Spieler nach so vielen erfolgreichen Jahren zugestehen müssen.

Die Trennung naht

In diesem Sommer wird es nun also wohl zur Trennung kommen. Boateng hat klare Vorstellungen vom nächsten Schritt. „Ich habe ganz klare sportliche Erwartungen und Ziele. Ich möchte noch einmal meine Klasse nachweisen nach den Enttäuschungen dieser Saison und zeigen, dass ich zu den drei Top-Innenverteidigern der Welt gehöre. Ich weiß, was ich kann. Und wenn ich einen Verein und einen Trainer habe, die mir Vertrauen geben, weiß ich, wie ich spiele“, schließt er einen Transfer in Länder wie China oder die USA aus, „ich möchte keinesfalls meine Karriere ausklingen lassen, im Gegenteil.“

Einen Verbleib beim FC Bayern will er dennoch nicht gänzlich ausschließen: „Ich kann mir klar vorstellen, dass es auch beim FC Bayern weitergehen kann Warum nicht? Ich bin Fußballer, der FC Bayern ist ein großer Verein. Ich werde hier bestimmt nicht wegrennen. Situationen verändern sich schnell.“ Dass es angesichts der Wechselempfehlung von Hoeneß und Boatengs eigenen Aussagen dazu kommen wird, scheint jedoch unwahrscheinlich.