Die Talent-Dichte beim FC Bayern mit der bei Borussia Dortmund direkt zu vergleichen, würde etwas kurz greifen. Zu unterschiedlich sind die Anforderungsprofile in puncto Neuverpflichtungen. Perspektivische Transfers tätigt der FCB selten, denn Zeit und Muße zur Entwicklung bleibt an der Säbener Straße aufgrund des immensen Erfolgsdrucks kaum.

Dennoch ist auffällig, dass sich Dortmund in einem Sektor Spieler angelt, die auch die Bayern gerne in ihren Reihen gewusst hätten. Youngsters wie Christian Pulisic, Jacob Bruun Larsen kamen schon in jungen Jahren nach Dortmund und durchliefen dort die Jugendabteilung. Im Fall von Jadon Sancho oder Ousmane Dembélé hatten die Münchner sogar ihre Visitenkarte abgegeben, kamen aber schlichtweg zu spät.

Kritik am Scouting

Laut einem Bericht des ‚kicker‘ liegt das Versäumnis in der Qualität der Scouting-Abteilung. „Die Defizite im FCB-Scouting sind offenkundig“, schreibt das Fachblatt in der Printausgabe vom heutigen Donnerstag und nennt Beispiele wie Antoine Griezmann (2014 für 30 Millionen auf dem Markt) Landsmann Olivier Giroud (im vorigen Winter), Naby Keïta (Liverpool) oder Malcom (jetzt Barcelona). Auch Marco Asensio (Real) sei den Bayern offeriert worden.

FT-Meinung: Beispiele wie Renato Sanches oder Breno belegen, dass auch der FC Bayern versucht ist, sich unfertige, aber hochbegabte Spieler frühzeitig zu sichern. Diese Talente haben es in München allerdings ungleich schwerer als in Dortmund, den Sprung ins Team zu schaffen. Rühmliche Ausnahme ist Kingsley Coman, der 2015 als gerade 19-Jähriger gekommen war und den Sprung zu echten Stütze geschafft hat. Man darf die Leistungen der Scouting-Abteilung also hinterfragen, muss im Vergleich mit dem BVB aber die grundverschiedenen Voraussetzungen berücksichtigen.