Thiago und James stehen für Spektakel, Javi Martínez für Robustheit, Renato Sanches und Corentin Tolisso für Dynamik, Joshua Kimmich für Struktur, Thomas Müller ist ein Raumdeuter. Im Mittelfeld des FC Bayern tummeln sich allerlei Spielertypen, mit Leon Goretzka hat sich ein Neuzugang trotzdem schnell beim Rekordmeister etabliert.

Die Leistungen des 23-Jährigen sind wenig spektakulär, auch Torgefahr verströmt er bislang nur in mittlerem Maße (je zwei Tore und Assists). Doch Trainer Niko Kovac schätzt den gebürtigen Bochumer. Spätestens mit der Systemumstellung auf 4-2-3-1 wird Goretzka eine Schlüsselrolle als Teil der Doppelsechs mit Kimmich zuteil. Die beiden spielten schon in der deutschen U21 zusammen im Zentrum.

Defensivere Rolle als gewohnt

Es hat auch bislang sehr gut funktioniert“, sagt Goretzka im ‚Sport1‘-Interview, „es ist natürlich eine wichtige Position. Der Trainer hat uns mitgegeben, dort für Ordnung zu sorgen und wieder in die defensive Kompaktheit zu kommen“. Tatsächlich spielte der Rechtsfuß zuletzt fünfmal in Folge durch. Merkmal eines Stammspielers. Schneller als von vielen erwartet hat der Ex-Schalker sein erstes Etappenziel erreicht.

Mit seiner etwas konservativeren Rolle kann sich Goretzka, der eigentlich für viele Läufe in die Tiefe bekannt ist, durchaus anfreunden. „Natürlich leidet bei mir dann das Offensivspiel ein bisschen darunter“, stellt er fest, „aber das Wichtigste ist, dass die Mannschaft erfolgreich ist“. Und das sind die Bayern zumindest in den vergangenen beiden Spielen gegen Benfica Lissabon (5:1) und Werder Bremen (2:1) durchaus.

Mit der – auch dank Goretzka – wiedergewonnenen Stabilität soll es für den Bundesliga-Vierten weiter nach oben gehen. Der deutsche Nationalspieler betont: „Tabellarisch sind wir aktuell noch nicht da, wo wir uns gerne sehen würden. Wir sind aber dabei, uns zu steigern und in die richtige Richtung zu marschieren. Nach der Phase, die wir hatten, geht das aber auch nicht in ein oder zwei Spielen.“

Anspruch Führungsspieler

Perspektivisch will Goretzka in München sogar in eine Führungsrolle schlüpfen, das merkte er schon bei seiner Vorstellung im Juli an. Der 1,89-Meter-Mann weiß aber auch: „Will man ein Führungsspieler sein, ist es erstmal ganz wichtig, dass die Leistung auf dem Platz unumstritten und konstant gut ist. Erst dann kann man in gewisse Prozesse eingreifen, um hier und da zu helfen.“ Gewissermaßen befindet sich der Mittelfeldmann aktuell im Zwischenstadium zwischen Stammplatz und Führungsanspruch.

Auf diesem Weg befinde ich mich aber aktuell“, schließt der selbstbewusste Goretzka, der sich schneller im dicht besiedelten Mittelfeld des Rekordmeisters etabliert hat, als der ein oder andere argwöhnische Beobachter im Vorfeld vermutet hatte. Eine neue Schwierigkeit gibt es aber auch: Nach seinem Außenbandriss greift Thiago wieder ins Geschehen ein und stellt neue Konkurrenz dar. Aber dass das beim FC Bayern normal ist, wusste Goretzka auch schon vorher. Auf dem Weg zum Führungsspieler darf das keine große Hürde darstellen.