Dass Uli Hoeneß ein Mann der deutlichen Worte ist, weiß Fußball-Deutschland nicht erst seit heute. Dementsprechend war der Präsident des FC Bayern München erster Gast im neuen Fußball-Talk mit Moderator Jörg Wontorra auf ‚Sky‘. Wie zu erwarten war, nahm Hoeneß kein Blatt vor den Mund.

Zum Thema Neuzugänge wissen die Aussagen des 65-Jährigen jedoch nicht zu überraschen. „Wir haben unsere Einkaufspolitik abgeschlossen“, erklärt Hoeneß, denn die Münchner hätten sich „gut verstärkt.“ Ausgenommen davon sind mögliche Abgänge. Renato Sanches, der seit einiger Zeit mit dem AC Mailand in Verbindung gebracht wird, könnte den Rekordmeister also nach wie vor verlassen.

Dass die Bayern – anders als von vielen Fans erwartet – keinen neuen Star für die Flügelpositionen verpflichtet haben, obwohl sich die Ära Robbery dem Ende neigt, erklärt Hoeneß mit der Teamchemie. „Wenn ein Arjen Robben gesund und fit ist und du ihm am Mittwoch sagst: ,Du spielst am Samstag nicht, weil wir noch einen anderen Spieler für teures Geld gekauft haben, der spielen soll‘, dann ist der stinksauer“, betont der Bayern-Präsident, „dann ist die Stimmung an der Säbener Straße nicht besonders gut. Und dasselbe gilt auch für Frank Ribery.

Schüsse gegen Sammer

Anders als auf den Flügelpositionen wurde der FC Bayern auf dem Posten des Sportdirektors fündig. Hasan Salihamidzic, den man nach langer Suche präsentierte, wurde zuletzt häufig als Notlösung belächelt. Hoeneß sieht das anders: „Er ist keine Notlösung. Man muss nicht in den Medien dazwischenhauen, sondern intern. Das kann er und das tut er auch. In den 14 Tagen bisher hat er mehr intern dazwischengehauen als Matthias Sammer in einem ganzen Jahr und ich bin ziemlich sicher, dass uns das allen gut tut.“

Lange Zeit hatte es so ausgesehen als würde der frisch zurückgetretene Philipp Lahm neuer Sportchef werden. Der Weltmeister von 2014 lehnte jedoch dankend ab. Hoeneß erklärt: „Glauben Sie, dass es klug gewesen wäre, dass ein Spieler wie Philipp Lahm – den wir alle sehr schätzen, nicht aber seinen Berater, den wir hätten mit einkaufen müssen – am 30. Juni mit dem Fußball aufhört und am 1. Juli dieselben Spieler unter Druck setzen kann? Es wäre doch auf jeden Fall eine Abkühlungsphase notwendig gewesen, aber diese Zeit hatten wir ganz einfach nicht.

Reschke-Abgang wegen Salihamidzic?

Die Salihamidzic-Verpflichtung ging einher mit dem Abgang des Technischen Direktors Michael Reschke, der nun beim VfB Stuttgart die Strippen zieht. Bisher hatte man sich in München darum bemüht, die beiden Personalentscheidungen nicht miteinander zu verknüpfen. „Es wäre nicht gut gewesen, wenn ein 40-Jähriger der Chef eines 59-Jährigen wird“, torpediert Hoeneß diese offizielle Version jedoch etwas.

Nach dem Abschied von Reschke will der Rekordmeister Salihamidzic einen Chefscout zur Seite stellen. Der Posten des Technischen Direktors soll nicht neu besetzt werden. Als Kandidat für die neugeschaffene Position galt Sven Mislintat von Borussia Dortmund. „Wir haben nie mit ihm verhandelt. Wir haben den BVB kontaktiert, nachdem wir erfahren haben, dass sich Mislintat bei dem Klub beworben hat, zu dem Reschke gewechselt ist.“ Mittlerweile habe man von der Verpflichtung jedoch Abstand genommen.