Sechs Monate war Michael Oenning Cheftrainer des Hamburger SV: Gewonnen hat er in dieser Zeit zwei Pflichtspiele. Selbst vor dem Hintergrund des gewaltigen Kaderumbaus, den die Hanseaten im Sommer vornahmen und der satten und lustlosen Truppe, die im letzten Jahr das Jersey des ‚Bundesliga-Dinos‘ trug, war dies viel zu wenig. Am Montag zog der HSV die Konsequenzen und setzte den 45-Jährigen vor die Tür. Laut ‚Bild‘ hat die Entlassung nur 35 Minuten gedauert.

Während man Oenning wohl in absehbarer Zeit in der Bundesliga nicht wieder auf einer Trainerbank erleben wird, stellt sich beim HSV die Frage, wer den verwaisten Posten übernehmen soll. Die Kandidatenliste ist lang. Die ‚Bild‘ nennt Huub Stevens (vereinslos), Michael Laudrup (Real Mallorca), Horst Hrubesch (Jugendtrainer beim DFB) und Morten Olsen (Nationaltrainer Dänemark).

Damit ist die Liste laut ‚Hamburger Morgenpost‘ jedoch noch nicht vollständig. Ebenfalls im Rennen sind demnach Claus-Dieter Wollitz (Energie Cottbus), Franco Foda (Sturm Graz, heiß gehandelter Kandidat als österreichischer Nationaltrainer), Marcel Koller (vereinslos) und Marco van Basten (vereinslos). Lothar Matthäus, der fast zeitgleich mit Oenning seine Papiere in Bulgarien erhielt, ist ohne Chance.

Die Anforderungen des HSV an den neuen Mann sind hoch. „Es ist wichtig, dass der Neue deutsch spricht, Leidenschaft hat, Respekt ausstrahlt“, erläutert Sportchef Frank Arnesen. Die Suche wird deshalb einige Tage in Anspruch nehmen. Am Freitag in Stuttgart sitzt aus diesem Grund Interimslösung Rodolfo Esteban Cardoso auf der Bank, der allerdings keine Aussicht hat, Chef zu bleiben. „Wir haben Cardoso klar gesagt, dass wir einen neuen Chef-Trainer suchen“, so Arnesen. Der Nachfolger Oennings wird seit 2003 der zehnte Cheftrainer der Hanseaten sein.