Aktuell haben alle 18 Bundesligisten insgesamt 48 Spieler verliehen. Ein Wert, mit dem die deutsche Eliteliga unter den italienischen Klubs nicht den ersten Platz einnehmen würde. Allein Atalanta Bergamo zählt derzeit 55 Profis in seinen Reihen, die zeitweise für einen anderen Klub auflaufen. Weltweit belegen die Vereine der Serie A in diesem Ranking zehn der ersten elf Plätze.

Zum Vergleich: Der geteilte erste Rang in Deutschland geht mit sechs Spielern an den VfB Stuttgart, Hannover 96 und Eintracht Frankfurt. Der 1. FC Nürnberg hat derzeit überhaupt keinen Spieler verliehen und Borussia Mönchengladbach gar weder einen ge- noch verliehenen Spielern in den eigenen Reihen. Dementsprechend gelassen kann die Bundesliga auf die geplanten Transfer-Regeländerungen blicken.

Wie die ‚Sport Bild‘ berichtet, will die zuständige FIFA-Task Force die Anzahl von Spielern begrenzen, die pro Saison von einem Klub verliehen werden dürfen. Der Antrag des Ausschusses, der noch vom FIFA-Exekutivkomitee abgesegnet werden muss, sieht vor, dass die maximale Anzahl acht Spieler nicht übersteigen darf. Darüber hinaus dürfen höchstens drei bis vier Profis an denselben Klub verliehen werden. Eine Ausnahme bilden Spieler unter 21 Jahren, die schon länger bei ihrem Stammverein unter Vertrag stehen und dort ausgebildet wurden. Diesen Eigengewächsen darf auch weiterhin in unbegrenzter Anzahl andernorts zu Spielpraxis verholfen werden.

Schmadtke kritisiert den „Menschenhandel“

Wir kennen das Vorhaben der FIFA-Task Force und unterstützen es mit unseren Möglichkeiten“, kommentiert Ansgar Schwenken, der für den Spielbetrieb zuständige Direktor der Deutschen Fußball-Liga, den Vorstoß. VfL Wolfsburg-Geschäftsführer Jörg Schmadtke, der die italienische Praxis einst als „Menschenhandel“ bezeichnet hatte, pflichtet dem DFL-Funktionär bei: „Es gab ja schon seit geraumer Zeit Überlegungen, das zu unterbinden. Es kann nicht gut sein, wenn du fünf Spieler dahin und sechs Spieler hierhin verleihst, denn damit kann auch Einfluss auf den Wettbewerb genommen werden. Insofern begrüße ich die Entscheidung der FIFA-Task Force.“

Die beiden Manager wissen natürlich sehr genau, dass die Änderung für die Bundesliga große Möglichkeiten mit sich bringt. Der hiesige Fußball wäre quasi gar nicht von den Restriktionen betroffen. Sollte die Regel kommen, müssen aber vor allem italienische sowie englische Erstligisten ihre Kader massiv ausdünnen. Dies hätte zur Folge, dass unzählige Spieler auf den Markt kommen und deren Preise naturgemäß aufgrund des riesigen Angebots fallen würden.

Investoren-Tummelbecken soll trockengelegt werden

Die FIFA hat erkannt, dass die Möglichkeit der Ausleihen zweckentfremdet wurde, um mit möglichst vielen Spielern möglichst viel Gewinn zu erzielen. Den Investoren der Serie A-Klubs geht es vor allem um die Rendite. Daher werden unzählige junge Spieler gekauft, die über Jahre immer wieder verliehen werden. Die Marktwerte steigen ebenso wie die Leihgebühren von Jahr zu Jahr an, während der eigentliche Stammverein quasi keine Kosten wie beispielsweise das Gehalt zu tragen hat. Mit dieser fragwürdigen Methode wird nun offenbar in Kürze Schluss sein.