Ralf Rangnick sucht die Schuld für die 2:3-Niederlage gegen Schwesterklub Red Bull Salzburg bei seinen Spielern. „Bis zum Ende der Partie haben wir nicht verstanden, was für ein Kaliber uns gegenüber steht. Einige Spieler haben sich nicht vorstellen können, dass uns aus Österreich so ein Gegner erwartet“, schimpfte der 60-Jährige nach der Pleite bei ‚RTL Nitro‘.

Auf der heutigen Pressekonferenz legte Rangnick nach. Nach Meinung des Trainers hatten sich einige Spieler nicht professionell auf die Begegnung vorbereitet: „Es scheint so, als wenn manche Spieler die Europa League als lästige Pflicht sehen. Wir reisen hier quer durch Europa, um uns für den Pokal zu qualifizieren. Sowas hab ich in meinem Leben noch nicht erlebt.“

Vor dem Spiel seien „Dinge vorgefallen, die nicht gehen. Hätte ich das vor dem Spiel erfahren, hätte ich zwei Spieler bereits vor dem Spiel ausgewechselt und nicht erst in der Halbzeit“, so Rangnicks Schimpftirade.

Rangnick lobt sich selbst

Im Gegensatz zu Leipzig bestach Salzburg durch mannschaftliche Geschlossenheit und individuelle Klasse. Rangnick zufolge war dies auch ein Verdienst von ihm selbst: „Ich hatte drei Jahre mit dazu beigetragen, dass so eine Mannschaft in Salzburg auf dem Platz stand wie an diesem Abend. Einige Spieler von denen, die gespielt haben, habe ich damals geholt. Mir war schon klar, was für eine Qualität vom Gegner auf uns zukommt.“

Kritik an seinen Schützlingen und Eigenlob – so ordnete Rangnick die schwache Leistung ein, die mit Blick auf den bisherigen Saisonverlauf kein Einzelfall war. Auch in der Bundesliga präsentierte sich das Team ohne rechte Zielstrebigkeit und in der Defensive äußerst anfällig. Eine rechte Balance hat Rangnick seinen Mannen bislang nicht vermitteln können. Ob dies nun an mangelnder Auffassungsgabe der Spieler, an der Trainingsqualität oder anderen Ursachen liegt, sei einmal dahingestellt.

Rangnick an der Spitze der Nahrungskette

Fakt ist: Rangnick stößt in seiner Doppelfunktion als Coach und Sportdirektor an natürliche Grenzen. Mit Abstand auf die Leistungen im Trainingsbetrieb und an der Seitenlinie schauen zu können, fällt in dieser Konstellation weg. Was passiert, wenn die sportliche Misere anhalten sollte? Wird Rangnick seinen Plan, 2019 an Julian Nagelsmann zu übergeben, gegen alle Widerstände durchziehen?

Vorstellbar ist dies – vor allem mit Blick auf seine jüngsten Aussagen. Eine echte Instanz, die zur Not die Reißleine ziehen könnte, gibt es nicht. Aus Leipzig-Sicht bleibt deshalb zu hoffen, dass Rangnick mit seiner Mannschaft die Kurve bekommt. Andernfalls steht eine ungemütliche Saison ins Haus.