Die Wettanbieter sehen sich bestätigt. Viktor Skripnik war der erste Trainer der noch jungen Bundesligasaison, der vorzeitig seine Sachen packen musste. Nach Werder Bremens desaströser ersten Halbzeit in der Partie gegen Borussia Mönchengladbach (1:4) zog Manager Frank Baumann die Reißleine. Als Interimslösung präsentierte der Ex-Kapitän mit Alexander Nouri ein unbeschriebenes Blatt. Bisher trainierte der 37-Jährige die zweite Mannschaft der Grün-Weißen in der 3. Liga.

Schnell stellte Baumann klar, dass es sich beim Deutsch-Iraner um eine Besetzung auf Zeit handle. Zwar erhoffe man sich „einen Impuls für das Team“, dennoch sei Nouri lediglich „eine Übergangslösung“, so der Tenor am Sonntag. Für die Trainersuche gelte, dass „Erfolg vor Schnelligkeit“ gehen müsse. Logischerweise überschlug sich die Presse rasch mit möglichen Skripnik-Nachfolgern. Markus Gidsol, Jos Luhukay, André Breitenreiter und sogar Klub-Legende Thomas Schaaf wurden gehandelt. Glaubt man jedoch der ‚Bild‘, hofft Baumann mittlerweile auf ein ganz anderes Szenario.

Vorbild Schubert

Demnach bekommt Interimscoach Nouri mindestens die beiden Bundesligaspiele am morgigen Mittwoch gegen Mainz 05 und am Samstag gegen Wolfsburg, um sich zu beweisen. Verlaufen die Partien positiv, liege dem Boulevardblatt zufolge auch eine langfristige Beschäftigung des ehemaligen Werder-Profis im Bereich des Möglichen. Baumann habe dabei das Beispiel André Schubert vor Augen, der vor rund einem Jahr bei Borussia Mönchengladbach befördert wurde und das Team aus dem Tabellenkeller noch in die Champions League führte.

Einige nicht unerhebliche Vorteile brächte die Lösung Nouri derweil mit sich. Die Gehaltsforderungen des Nobodys dürften weit unter jenen der weiteren gehandelten Kandidaten liegen. Zudem hat Nouri als Bremer Eigengewächs gewiss einen hohen Kredit beim ohnehin geduldigen Werder-Publikum. Nicht zuletzt könnte man parallel zu Nouris Arbeit nach einem Nachfolger Ausschau halten, sollte der gewünschte Erfolg doch nicht eintreten.

FT-Meinung: Schafft Alexander Nouri es, durch starke Auftritte gegen Mainz und Wolfsburg eine Welle der Euphorie zu entfachen, gäbe es keinen Grund, ihm den Cheftrainer-Sessel wieder abzunehmen. Auf Teufel komm raus wieder eine Lösung mit Stallgeruch einzusetzen, sollte aber nicht das entscheidende Kriterium sein. Werder ist gut beraten, zunächst die Entwicklungen der kommenden Woche abzuwarten, ehe man vorschnell handelt.