Dass er kein Freund großer Worte ist, zeigte Rodrygo schon während seiner Präsentation im Juni. Fast schon schüchtern wirkte der der 18-jährige 45-Millionen-Neuzugang von Real Madrid, als er vor versammelter Presse auf dem Podium saß und demütig verkündete, dass er auch bereitwillig für die zweite Mannschaft der Königlichen spielen würde.

Vom sogenannten Castilla-Team ist der Brasilianer spätestens seit dem gestrigen Mittwochabend Lichtjahre entfernt. Das Spiel der Königlichen gegen Galatasaray wurde zur Rodrygo-Gala. Dreimal traf der 18-Jährige beim 6:0-Sieg – einmal mit links (4.), einmal per Kopf (7.) und einmal mit rechts (90. +2). Zudem legte er ein weiteres Tor auf.

Dreifach Geschichte geschrieben

Seine Leistung gegen Galatasaray schrieb gleich dreifach Champions League-Geschichte. Mit 18 Jahren und 301 Tagen ist Rodrygo der jüngste brasilianische Torschütze aller Zeiten. Mit seinen Treffern zum 1:0 und 2:0 schnürte er den schnellsten Doppelpack in der Geschichte der Königsklasse. Zudem ist er der zweitjüngste Spieler, der sich dreimal in die Torschützenliste eintragen konnte. Der Jüngste: Real-Legende Raúl González (18 Jahre, 113 Tage).

Nach der Partie war Trainer Zinedine Zidane voll des Lobes: „Jedes Mal, wenn er spielt, macht er seine Sache gut und deswegen spielt er auch. Man kann viel über ihn sagen, aber wenn es eine Sache gibt, die ich betonen will, dann ist es, wie intelligent er ist und wie schnell er lernt. Wir sind sehr glücklich mit ihm.“

Stammplatz garantiert?

Weniger glücklich werden Rodrygos Konkurrenten sein. Gareth Bale, der ohnehin einen schweren Stand bei Real hat, könnte durch den Aufstieg des jungen Brasilianers weiter an den Rand des Kaders gedrängt werden. Genauso wie Vinícius Júnior, der schon ein Jahr früher als Rodrygo im Santiago Bernabéu aufschlug, jedoch trotz der längeren Eingewöhnungszeit weniger überzeugen kann als sein Landsmann.

Dass Rodrygo über alle Werkzeuge verfügt, um ein ganz Großer zu werden, ist spätestens nun klar. Unumstrittener Stammspieler wird der 18-Jährige aber voraussichtlich nicht auf Anhieb sein. Und anders als Zidane es formulierte, hat der Flügelspieler mit einer seinem Alter entsprechenden Inkonstanz zu kämpfen. Lauten Anspruch auf einen Platz in der ersten Elf wird Rodrygo aber nicht erheben. Schließlich ist er kein Freund großer Worte.