Michael Skibbe muss denken, er sei wieder in den Sommer zurückversetzt. Damals legte sich der Neu-Trainer von Eintracht Frankfurt gleich mit seinem Vorgesetzten Heribert Bruchhagen an und machte seinem Frust über die geplatzte Lincoln-Verpflichtung in der Presse Luft. Im Winter forderte der ambitionierte Trainer aber endlich deutliche Verstärkungen, um die Qualität der Mannschaft anzuheben. Gerade in der Offensive besteht nach der langen Verletztung von Ioannis Amanatidis eigentlich Handlungsbedarf.
Und so kursieren seit Wochen verschiedene Namen am Main: Wieder Lincoln, Voronin und Theofanis Gekas. Auf den Griechen schien sich die Eintracht festgelegt zu haben. Skibbe war überzeugt und Bayer Leverkusen wollte den Spieler abgeben. Die Verhandlungen begannen. Und endeten damit, dass Frankfurt vom Tabellenletzten Hertha BSC Berlin ausgestochen wurde. Die Berliner werden Gekas nun wahrscheinlich mit anschließender Kaufoption leihen. Frankfurt hätte den Spieler sofort kaufen sollen. Aber die zwei Millionen Euro Ablöse waren Bruchhagen zu viel. Frankfurt stieg aus. Erinnerungen an Lincoln wurden wach.
Auch bei Skibbe. Der gab bei der ‚Frankfurter Rundschau‘ ein langes Interview und machte sich wie bereits im Sommer Luft. Angesprochen auf Lincoln und Gekas sagte Skibbe: „Diese Spieler sind für uns nicht erschwinglich. Das ist für mich nicht befriedigend. Wenn Lincoln im Sommer nicht geht und Theofanis Gekas im Winter nicht geht, dann geht Lincoln im Winter auch nicht. Fakt ist: Gekas wäre gerne zu uns gekommen, aber nun kommt es anders. Die beiden Spieler wären meiner Meinung nach, gemessen an ihrer hohen Qualität, erschwinglich gewesen. Aber Eintracht kann ihre Verpflichtungen nicht realisieren.“
Fast zwangsläufig laufen Skibbes Vorstellungen über einen neuen Spieler in eine ähnliche Richtung: „Ich möchte keine Ergänzungen, sondern Verstärkungen. Also im Sturm muss man sich da an Ioannis Amanatidis orientieren. Theofanis Gekas wäre so einer gewesen. Er hat eine identische Qualität. Die Kategorie darunter bringt uns nicht weiter. Damit wäre ich nicht einverstanden.“ Was folgt, hat der Eintracht-Coach deutlich vor Augen: „Dann geht es so weiter, wie es dieses Jahr weiter gegangen ist, und wie es im letzten Jahr weiter gegangen ist. Man wird mal nach unten und nach oben schauen müssen im Laufe einer Saison - je nachdem, wie die Personallage gerade ist. Und am Ende wird man hoffen müssen, im Tabellenmittelfeld zu stehen.“
Man gewinnt immer mehr den Eindruck, Michael Skibbe habe seit Beginn seiner Frankfurter Zeit eine gewaltige Entwicklung in seiner Persönlichkeit durchlaufen.
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David Weiss
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