Noch in der Nacht, nachdem Eintracht Frankfurt am 19. Mai vergangenen Jahres den DFB-Pokal in den Berliner Abendhimmel gereckt hatte, richtete Reinhard Grindel das Wort an den frischgebackenen Pokalsieger. Der DFB-Präsident bat die Spieler der SGE darum, in der kommenden Europapokalsaison „den deutschen Fußball würdig zu vertreten“. Nicht überall am Main kamen diese Worte gut an, schwang doch scheinbar auch eine gewisse Skepsis mit, ob die Eintracht eine gute Rolle in der Europa League spielen könne.

Fast zehn Monate später ist klar, dass es der Worte Grindels auch nicht bedurft hätte. Die Hessen sind der letzte verbleibende deutsche Europapokalteilnehmer in diesem Jahr und spielen heute Abend in Mailand um den Einzug in die Runde der letzten Acht. Nach Festspielen wie gegen Lazio Rom (4:1), Olympique Marseille (4:0) und Shakhtar Donetsk (4:1) wartet mit Inter Mailand nun das nächste europäische Schwergewicht auf die Eintracht. Natürlich sind die Italiener favorisiert, eine Chance aufs Weiterkommen rechnen die Adlerträger sich aber dennoch aus.

Lange die Null halten“ – und mindestens ein Tor erzielen

Mindestens 13.500 Fans werden die Eintracht nach Mailand begleiten. So hoch ist das offiziell von Inter zur Verfügung gestellte Kontingent für Gästetickets. Weitere fünf- bis zehntausend Anhänger werden versuchen, einen Platz im Stadion zu ergattern – Erfolgsaussichten fraglich, denn die italienischen Behörden erklärten die Partie zum Hochrisikospiel. Außerhalb des Gästeblocks könnte den Fans deshalb der Zutritt ins Stadion verwehrt werden. Den von ihnen selbst im Jahr 2013 aufgestellten Rekord werden die Hessen aber in jedem Fall brechen, 12.000 Fans reisten damals mit der Eintracht nach Bordeaux.

Auch Eintracht-Keeper Kevin Trapp ist voller Vorfreude auf die heutige Partie. „Das ist ein absolutes Highlight, wie ein Champions-League-Spiel“, frohlockte er auf der offiziellen Pressekonferenz im Vorfeld des Matches. Die Ausgangslage nach dem 0:0 im Hinspiel ist klar: Die Eintracht braucht unbedingt ein Tor, Inter seinerseits mindestens eines mehr als die Hessen. Co-Trainer Christian Peintinger will „lange die Null halten. Wenn wir ein Tor erzielen, haben wir gute Chancen auf das Weiterkommen.“

Hütter gesperrt, Abraham fraglich

Chef-Trainer Adi Hütter wird sein Team in San Siro nicht unterstützen können. Nach seinem Flaschentritt beim nicht gegebenen Elfmeter nach einem vermeintlichen Foul an Sébastien Haller im Hinspiel wurde der Fußballlehrer vom Schiedsrichter auf die Tribüne geschickt und für eine weitere Partie gesperrt. Peintinger übernimmt für ihn an der Seitenlinie und nimmt die offiziellen Medientermine wahr.

Auf dem Feld muss die Eintracht auf Gelson Fernandes verzichten. Der Schweizer sah am vergangenen Donnerstag seine dritte Gelbe Karte im Wettbewerb und ist somit gesperrt. Darüber hinaus ist David Abraham aufgrund von Oberschenkelproblemen weiterhin fraglich. Über seinen Einsatz wird kurzfristig entschieden. Definitiv fehlen wird den Hessen indes Vizeweltmeister Ante Rebic. Der Kroate laboriert noch an Problemen mit seinem im Spiel gegen die TSG Hoffenheim verdrehten Knie. Almamy Touré wurde nicht für die Europa League nominiert.

Sollte Abraham tatsächlich ausfallen, dürfte Makoto Hasebe wieder den zentralen Part in der Frankfurter Dreierkette einnehmen. Flankiert wird er von Martin Hinteregger und Evan N’Dicka. Jonathan de Guzman würde dann neben Sebastian Rode ins Mittelfeld rücken. Hinter den Spitzen Luka Jovic und Haller wird Mijat Gacinovic wirbeln. Dauerbrenner Danny da Costa und Flügelflitzer Filip Kostic werden die rechte und linke Außenbahn beackern.

Jugend forscht auf der Inter-Bank

Bei Inter Mailand sind die Personalsorgen vor dem Match gegen die Eintracht groß. Mauro Icardi spielt bei den Nerazzurri weiterhin keine Rolle, Kwadwo Asamoah und Lautaro Martínez fehlen gelbgesperrt. Keita Baldé könnte für Letzteren ins Sturmzentrum rücken. Radja Nainggolan fehlt weiterhin verletzt, auch Marcelo Brozovic ist angeschlagen. Da auch Miranda und Sime Vrsaljko nicht dabei sein können, werden auf der Inter-Bank wohl bis zu fünf A-Jugendspieler Platz nehmen dürfen. Die Elf von Trainer Luciano Spalletti stellt sich somit fast von selbst auf. Immerhin scheint Ivan Perisic seine im Hinspiel erlittene Blessur überwunden zu haben.

Die voraussichtlichen Aufstellungen

Inter Mailand

Eintracht Frankfurt