Rien ne va plus – nichts geht mehr für die englischen Vereine. Seit vergangenem Donnerstag ist das Transferfenster auf der Insel zu, Korrekturen am Kader können keine mehr vorgenommen werden. Die anderen Topligen Europas haben dabei nicht mitgezogen und werden vom Schreckgespenst Premier League nicht weiter behelligt.

Das gilt im besonderen Maße für die Bundesliga. In der Nahrungskette der europäischen Ligen steht das deutsche Oberhaus ziemlich weit oben– nur eben immer noch unter der englischen Liga.

Jetzt hast du als deutscher Verein wieder bessere Chancen“, bestätigt Armin Veh, Geschäftsführer des 1. FC Köln, dem ‚kicker‘. Jetzt können Spieler nach Deutschland wechseln, die ihre Klubs und Berater lieber in England untergebracht hätten. Dass Transfers auf die Insel höhere Ablösesummen und Provisionen einbringen, ist Fakt.

„Dann hast du ein Problem“

Wenn der Engländer am 7. August merkt, er kriegt seinen Top-Kandidaten für eine Position nicht, dann greift er auf einmal den Spieler an, an dem du seit Wochen dran warst“, weiß auch Vehs Kollege Max Eberl, „und dann legt der Engländer dem abgebenden Verein die Summe hin, die er möchte, dann hast du ein Problem.

Dann“, fährt der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach fort, „dann sagt nämlich der andere Klub: Du willst meinen Spieler? Wolverhampton oder Everton bieten mir die Summe. Willst du ihn haben, musst du diese Summe auch zahlen.

Das Aufatmen am 9. August

Zu einseitig darf die Sache also nicht gesehen werden: Bis zum 8. August ist die Hektik in der Premier League größer, entsprechend auch die dortige Bereitschaft, Forderungen zu erfüllen. Mit anderen Worten: Während sich die englische Konkurrenz danach aus dem Transfer-Geschäft verabschiedet, ist sie bis dahin umso gefährlicher.

Zu spüren bekommen haben das etwa die TSG Hoffenheim und Eintracht Frankfurt, die ihre Topstürmer Sébastian Haller und Joelinton zu West Ham United respektive Newcastle United ziehen lassen mussten – ins Niemandsland der Premier League. Zusammengerechnet stehen nun Einnahmen von knapp 100 Millionen Euro verlorenen 40 Torbeteiligungen gegenüber.

Der längere Hebel

So weit, so erträglich, solange sich verheißungsvoller Ersatz verpflichten lässt. Aus Sicht der Bundesliga muss die Devise lauten, den längeren Hebel niemals loszulassen. Veh: „Stellen Sie sich mal vor, wir schließen unsere Einkaufsseite Mitte August, und die englischen Vereine könnten bis zum 2. September bei uns zugreifen. Dann hätten wir ein Riesenproblem.

Wenn wir uns dann auch noch den Nachteil durch einen früheren Transferschluss aufhalsen, geraten wir weiter ins Hintertreffen gegenüber den anderen großen Ligen“, stimmt Eberl zu. Schließlich, gibt der 45-Jährige zu bedenken, sei man schon in puncto TV-Gelder, Klub-Finanzierung und Steuer-Abgaben im Nachteil. Zumindest das wiegt in den kommenden Wochen aber erst einmal nicht mehr so schwer.