Noch vor kurzer Zeit hätte Karim Benzema wohl kaum gedacht, dass ihm Viktoria Pilsen lange in Erinnerung bleiben wird. Doch am dritten Spieltag der Champions League vor zwei Wochen stieg der Franzose mit seinem 57. Treffer beim 2:1 gegen die Tschechen zum viertbesten Torschützen der Champions League-Geschichte auf.

Am gestrigen Mittwochabend setzte Benzema – wieder gegen Viktoria – dann noch einen drauf. In der 20. Minute ließ der Stürmer gleich drei Pilsen-Verteidiger aussteigen und erzielte sein 200. Pflichtspieltor für Real Madrid. Zum 5:0-Sieg der Königlichen trug er in der Folge noch einen weiteren Treffer und eine Vorlage bei.

201 Tore

Damit trat Benzema in einen elitären Kreis ein. Nur sechs Spieler knackten vor ihm die 200-Tore-Marke für Real. Allesamt – sei es Cristiano Ronaldo, Raúl, Alfredo Di Stéfano, Santillana, Ferenc Puskás oder Hugo Sánchez – werden bis heute von den Fans der Blancos verehrt. Benzema hat dagegen einen alles anderen als leichten Stand.

Immer wieder wird der 30-Jährige im Santiago Bernabéu ausgepfiffen. Klar, Benzemas Spielweise wirkt häufig lethargisch bis abwesend, der Spritzigste ist er auch nicht. Zudem trifft er in der Liga in den vergangenen Jahren nicht so konstant wie in der Champions League.

Verhinderter Volksheld

Spieler, die wie der Rechtsfuß über acht Jahre im Verein sind und durchschnittlich in rund jedem zweiten Spiel ein Tor schießen, sind andernorts jedoch Volkshelden. Das verwöhnte Madrider Publikum ist da anders gestrickt. Schon in den vergangenen Jahren lechzte es munter nach einer neuen Nummer neun.

Benzema konnte sich aber immer des Vertrauens seiner Trainer und von Cristiano Ronaldo sicher sein. Der Weltfußballer hielt stets die schützende Hand über seinen Sturmpartner. CR7 wusste um die Drecksarbeit, die Benzema für ihn verrichtet. Im Februar schenkte der Portugiese ihm sogar einen Elfmeter, im Normalfall übernahm Ronaldo aber selbst das Toreschießen. Seit der Superstar weg ist, lahmt das Offensivspiel der Königlichen.

Kommt Icardi?

Davon war auszugehen – auch Benzema bleibt bisher den Beweis schuldig, dass er nun zur Tormaschine mutieren könnte (vier Tore in La Liga). Umso lauter werden nun die Schreie nach einem neuen Knipser. Mauro Icardi von Inter Mailand steht in der Gunst von Präsident Florentino Pérez weit oben. Bis es aber soweit kommt, spielt weiter der ewige Benzema vorne drin.

Dass er es noch kann, bewies er zuletzt gegen Pilsen. Nach der Partie sagte die ungeliebte Vereinslegende: „Es ist jedes Jahr dasselbe. Die Kritiker? Das betrifft mich nicht. Ich bin hier, um meinen Mitspielern zu helfen – egal ob ich treffe oder nicht.“ Benzema schloss: „Ich spiele Fußball, um auf dem besten Niveau zu sein und Geschichte zu schreiben.“ Dass ihm das ausgerechnet gegen Viktoria Pilsen gelingen würde, hätte er wohl selbst nie gedacht.