Gut acht Jahre ist es her, da kämpfte Borussia Dortmund um seine Existenz. Sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Unter Thomas Doll spielte man 2007/08 um den Klassenerhalt. Transfers wie Marcio Amoroso, Jan Koller, Evanilson oder Tomas Rosicky, und das Verpassen der Champions League, hatten dem BVB wirtschaftlich das Rückgrat gebrochen. Auch wenn es in dieser Saison für eine Meisterschaft reichte. Der kurzfristige Erfolg war auf Kosten der Nachhaltigkeit des gesamten Klubs gebaut. Ein neues Konzept, eine Vereinsphilosophie musste her.

Einen Trainer, der diese verkörperte, fand man bei Mainz 05 mit Jürgen Klopp. Und personell fuhr man eine klare Linie. Junge Talente sollten eingekauft oder aus der eigenen Jugend hochgezogen und entwickelt werden. Das unterstrich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke stolz und zurückblickend auf der Jahreshauptversammlung der Borussia in diesem Jahr: „Die anderen kaufen Weltstars, wir machen welche. Das ist unser Faustpfand.

Das Fundament dafür goss Dortmund 2008. Heute ist festzuhalten: Selten funktionierte ein Konzept dermaßen perfekt wie beim BVB. Talente wie Mats Hummels, Sven Bender, Neven Subotic oder Shinji Kagawa wurden günstig eingekauft, ein Mario Götze kam aus der eigenen Jugend zu den Profis. Papa Klopp ließ sie behutsam gedeihen und impfte dem jungen Team eine neue Idee des Spiels ein, mit der er den Fußball in der Bundesliga revolutionierte.

Heute ist Hummels das, wovon Watzke spricht: ein Weltstar. Ähnlich wie potenziell Mario Götze. Und beide wurden von den anderen – in dem Fall den Bayern – gekauft, brachten Transfereinnahmen in Höhe von 72 Millionen Euro ein. Wenngleich man rund 26 Millionen abziehen muss, die man für beide wiederum an die Bayern zahlen musste. Dennoch ein sehr lohnendes Geschäft. Ähnlich war es bei Kagawa. Der Japaner wurde 2010 für 350.000 Euro Ausbildungsentschädigung von Cerezo Osaka gekauft, zwei Jahre später für 16 Millionen an Manchester United verkauft und 2014 für acht Millionen wieder zurückgeholt.

Lewandowski als Sinnbild

Zum Weltstar bildete die Borussia auch Robert Lewandowski aus, für den man 2010 knapp fünf Millionen an Lech Posen überwies. Zwar wechselte er vier Jahre später ablösefrei zu den Bayern. Zu dem Zeitpunkt hatte er die Ablöse aber längst wieder eingespielt und stand sinnbildlich für den mittlerweile hervorragenden Ruf des Vereins in Europa. Längst war Dortmund kein reiner Ausbildungsverein mehr – und trotzdem findet die Entwicklungsarbeit der Borussia höchste Beachtung.

Zur Riege der in Dortmund zu internationalen Ausnahmekönnern gereiften Kickern zählen selbstredend auch Ilkay Gündogan und Marco Reus. Lukrativ war auch die Verpflichtung von Henrikh Mkhitaryan. Für 27,5 Millionen von Shakhtar Donetsk gekauft und nach zwei durchwachsenen Jahren und einer bockstarken Saison für 42 Millionen an die Red Devils weitergereicht. Konstatieren muss man allerdings, dass einige Profis ihr Potenzial nur bei den Schwarz-Gelben ausschöpfen konnten, bei anderen Topklubs die Erwartungen aber nicht erfüllen konnten: Genannt seien Nuri Sahin, Götze oder Kagawa. Und auch Fehlgriffe wie Ciro Immobile oder Julian Schieber waren dabei, blieben aber die Ausnahme.

Risiko: Jahr für Jahr

So stehen seit 2008 Transferausgaben von 312 Millionen Euro Einnahmen in Höhe von 265 Millionen gegenüber. Macht unter dem Strich eine Transferbilanz von minus 47 Millionen Euro. Positiv gewirtschaftet hat der BVB als AG mit Vermarktungsstrategien und immer vollem Signal-Iduna-Park dennoch. Und das Konzept trieft beinahe vor Nachhaltigkeit. Jedes Jahr musste die Borussia Risiko gehen, reinvestierte Teile der Transfereinnahmen. Wurde aber auch jedes Jahr wieder belohnt.

Und sollten ein Reus, ein Aubameyang oder ein Weigl sich eines Tages entscheiden, eine neue Herausforderung annehmen zu wollen, wird der BVB dafür stattlich entlohnt. Gleiches gilt für Ousmane Dembélé, Emre Mor oder Raphael Guerreiro, die aber gerade erst im schwarz-gelben Entwicklungslabor angekommen sind.