Der Name Ciro Immobile wird so manchem Fan von Borussia Dortmund immer noch kalte Schauer über den Rücken jagen. Für 18,5 Millionen Euro war der italienische Stürmer im Sommer 2014 in die Ruhrmetropole gekommen, um in die Fußstapfen des gerade zum FC Bayern gewechselten Robert Lewandowski zu treten. Anstatt wie zuvor beim FC Turin Tore am Fließband zu schießen, fiel Immobile nur auf zwei Arten auf: Entweder gar nicht oder weil er gerade eine Großchance vergeben hatte.

Der Italiener steht sinnbildlich für die damalige Horrorsaison des BVB, die das Aus von Vereinsikone Jürgen Klopp herbeiführen sollte. Auch nach seinem Wechsel zum FC Sevilla ein Jahr später konnte Immobile nicht überzeugen. Mittlerweile spielt der 26-Jährige bei Lazio Rom und schafft dort zumindest Ansatzweise an alte Glanzzeiten anzuknüpfen. In sieben Spielen traf er viermal. Eine ähnlich gute Quote hatte Immobile zuletzt in der Saison 2013/2014, als er für den FC Turin 23 Mal traf und das Aushängeschild des Vereins war.

Auf den Abgang des Stürmers folgten in Torino schwere Zeiten. Auf den siebten Tabellenplatz – die beste Platzierung des Klubs seit 1992 – folgten Rang neun und Rang zwölf. In Piemont trauerte man Immobile so stark hinterher, wie man ihn in Dortmund belächelte. Mittlerweile haben sie bei Il Toro jedoch keinen Grund mehr, Trübsal zu blasen. Denn mit einigen Jahren Verspätung hat der Verein seinen neuen, seinen besseren Immobile gefunden: Andrea Belotti.

Stürmer alter Schule

Schon im vergangenen Jahr war der Stürmer für 8,4 Millionen Euro US Palermo gekommen, schaffte es aber erst in der Rückrunde sich in Turin zu etablieren. Schlussendlich standen zwölf Ligatore und fünf Vorlagen auf dem Konto. Seine gute Form konnte Belotti in der laufenden Saison noch weiter steigern. Auf fünf Tore und zwei Vorlagen kommt der 22-Jährige in bisher nur fünf Einsätzen. Es wären sicherlich noch mehr, wenn ihn nicht eine Oberschenkelverletzung für zwei Wochen zum Zuschauen verdammt hätte.

Belotti ist ein klassischer Torjäger. Trickreiche Dribblings und punktgenaue Schnittstellenpässe kann man vom 1,81 Meter-Mann nicht erwarten. Stattdessen brilliert er mit seiner Physis. Trotz seiner nicht überragenden Größe kann Belotti mit seinem stämmigen Körperbau lange Bälle festmachen und gegen größere Verteidiger abschirmen. Selbst in hektischen Situationen, in denen er vom Abwehrspieler angegangen wird, schafft er es trotzdem, den Ball geschickt an seine Nebenleute weiterzuleiten, was seine für einen Strafraumstürmer recht hohe Vorlagenquote erklärt.

Ein kleines Kopfballungeheuer

Seine Physis weiß Belotti auch in den zahlreichen Kopfballduellen zu nutzen, in die er von seinen Mitspielern geschickt wird. Mit seiner enormen Sprungkraft schafft es der 22-Jährige, sich auch gegen großgewachsene Verteidiger in der Luft durchzusetzen. Viele seiner Tore fielen deshalb auch nach einem präzisen Kopfball. Mit Beidfüßigkeit und Dynamik schafft es Belotti aber auch, am Boden gefährlich zu sein. Obwohl sein Dribbling eher von seiner Antrittsstärke als seiner Technik lebt, stellt er Verteidiger auch mit Ball am Fuß vor Probleme. Das musste auch Bruno Peres erfahren, als er im Spiel seiner AS Rom gegen Torino im Strafraum zu spät kam und Belotti zu Fall brachte. Den folgenden Elfmeter verwandelte Iago Falqué zum zwischenzeitlichen 2:1. Die Partie endete 3:1 für Il Toro.

Belottis Leistungen haben ihn in Italien zu einem Star gemacht. Zweimal lief er bereits für die Nationalmannschaft auf. Auch in der aktuellen Länderspielpause ist der 22-Jährige mit von der Partie. Wenn Belotti seine Form bestätigen kann, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis internationale Topvereine auf den Stürmer aufmerksam werden. Dem FC Arsenal, dem FC Liverpool und dem FC Chelsea wird bereits Interesse nachgesagt. Dass es den Turiner Stürmer zu Borussia Dortmund zieht, kann indes wohl ausgeschlossen werden – schließlich hat man dort immer noch mit kalten Schauern zu kämpfen.