Es lief die 58. Minute im Hamburger Volksparkstadion und die Niederlande war unter Zugzwang. 1:0 für die deutsche Nationalmannschaft hieß es zu diesem Zeitpunkt auf der Anzeigetafel. Zeit für Bondscoach Ronald Koeman zu reagieren. Der 56-Jährige vollzog einen offensiven Doppelwechsel und brachte neben Davy Pröpper auch den 20-jährigen Donyell Malen, um die drohende Niederlage noch abzuwenden. Gewagt, zu einem solchen Zeitpunkt auf einen Debütanten zu setzen.

Malen lässt die Arena verstummen

Es dauerte nicht lange, ehe Koeman für seinen mutigen Wechsel belohnt wurde. Eine Minute verging, ehe die Elftal zum zwischenzeitlichen 1:1 ausglich, in der 79. Minute brachte der erwähnte Malen dann ganz Fußball-Deutschland zum Schweigen. Nach einer Unaufmerksamkeit in der deutschen Hintermannschaft schalteten die Niederländer schnell um. Memphis Depay leitete in die Gasse zu Georginio Wijnaldum weiter, der unnachahmlich per Lupfer den frei eingelaufenen Debütanten mit der Nummer sieben fand. Tor für Oranje, 3:2.

Dass ausgerechnet Malen den 4:2-Sieg der Elftal ebnete, kommt nicht von ungefähr. Es war schließlich nur noch eine Frage der Zeit, bis der Sohn eines Surinamers und einer Niederländerin das orangene Trikot überstreifen durfte. Zu auffällig gut waren seine Leistungen in der Eredivisie bei der PSV Eindhoven.

Bereits in seiner ersten echten Profisaison markierte der Offensivspieler starke zehn Ligatreffer. Seit dem Abgang von Stürmer Luuk De Jong (FC Sevilla) ist der 20-Jährige in der Mannschaft von Mark van Bommel ein noch wichtigerer Baustein geworden. Das belegt neben seinen acht Scorerpunkten in elf Pflichtspielen auch die Übernahme der prestigeträchtigen Trikotnummer neun.

Schon früh mit großen Namen in Kontakt

Anders als viele andere PSV-Talente ist Malen jedoch kein Eigengewächs. Im Alter von 15 Jahren nahm Mino Raiola das damalige Talent von Ajax Amsterdam unter seine Fittiche. Der Spielerberater stellte Kontakt zum FC Arsenal her und ein Jahr später saß Malen mit Trainer Arsène Wenger zusammen am Mittagstisch. „Natürlich war es eine Ehre, mit Herrn Wenger Mittag gegessen zu haben. Aber am Ende war es nur eine Kleinigkeit zu Essen“, sagte der 20-Jährige augenzwinkernd im Interview mit der niederländischen Tageszeitung ‚Algemeen Dagblad‘.

Obwohl Malen auch in London in der U18 und später auch in der Premier League 2 starke Leistungen zeigte, entschied er sich im Sommer 2017 für die Rückkehr in seine Heimat. Dass er zunächst nur für die Eindhovener Zweitvertretung Jong PSV zum Einsatz kam, störte ihn keinesfalls: „Ich konnte mich zwischen anderen Talenten auf hohem Niveau, vor vielen Zuschauern aber auch zum ersten Mal mit Spielern zwischen 28 und 31 messen.“

Van Bommel setzt auf Jugend

Die zweite Mannschaft hat Malen nun aber längst hinter sich gelassen. Im Profiteam fühlt sich der ehemalige Gunner merklich wohl: „Wir spielen einen Fußball mit viel Geschwindigkeit, Bewegung und Positionsänderungen. Du merkst es auf dem Platz: Alles ist fließend und schnell. Wir haben viele junge Spieler mit viel Energie.“ Vor allem mit seinen ebenfalls blutjungen Sturmpartnern Cody Gakpo (20) und Mohammed Ihattaren (17) harmoniert Malen eindrucksvoll.

Dass sich der Offensivspieler bewusst ist, in welch optimalem Umfeld er sich derzeit befindet, zeigte nicht zuletzt seine vorzeitige Vertragsverlängerung im Sommer bis 2024. Klar ist aber auch, sollte der Youngster sowohl auf Vereins- und auch auf Nationalmannschaftsebene weiterhin auftrumpfen, wird sein Berater Raiola immer mehr Angebote von Topvereinen erhalten.