Auf Platz neun liegend und nach einer derben 1:5-Pleite gegen den Erzrivalen aus Barcelona übernahm Santiago Solari Ende Oktober bei Real Madrid. Gut drei Monate später gab es die Chance zur Revanche im Camp Nou. Im Hinspiel des Pokal-Halbfinals hieß es am Ende nach einer starken Leistung der Königlichen 1:1. Das darauffolgende Auswärtsspiel gegen den Stadtrivalen Atlético gewann Real am Wochenende mit 3:1. Ergo: Es scheint wieder die Sonne im Estadio Santiago Bernabéu.

Diese Entwicklung darf sich nicht zuletzt Coach Solari auf die Fahnen schreiben. Der Argentinier hat nach Startschwierigkeiten die Kurve bekommen und weist mittlerweile eine gute Quote auf. In 21 Partien unter seiner Leitung gab es 15 Siege, zwei Unentschieden und vier Niederlagen. Real steht zumindest wieder auf Platz zwei und immer öfter sind Vergleiche mit Vor-Vorgänger Zinedine Zidane zu vernehmen.

Denn wie Zizou machte auch Solari seine ersten Schritte bei Real Madrid Castilla, der zweiten Mannschaft. Und wie Zidane zieht nun auch auch der 42-Jährige seinen Plan ohne Rücksicht auf große Namen oder anhaltende Diskussionen durch. Beispiele gefällig?

Alte Verdienste zählen nicht

Der erste, der unter Solari dran glauben musste, war Isco. Der Coach bescheinigte dem Techniker, der unter Julen Lopetegui noch gesetzt war, schlechte Trainingsleistungen. Seit Monaten ist Isco jetzt nur noch eine Randfigur. Auch dem Brasilianer Marcelo ist seine Leistungsdelle zum Verhängnis geworden. Lange Zeit war der Linksverteidiger konkurrenzlos. Solari zauberte das 22-jährige Eigengewächs Sergio Reguilón aus dem Hut. Und Marcelo sitzt draußen. Genau wie Gareth Bale.

Fleiß wird belohnt

Dem 100-Millionen-Mann hat Lucas Vázquez den Rang abgelaufen. Der 27-jährige Spanier spielt zwar weniger spektakulär, gibt aber immer Vollgas und ist sich für keinen Weg zu schade. Aus Spanien ist zu hören, dass sich Solari gerade mit Entscheidungen dieser Art großen Respekt erarbeitet hat bei den Königlichen.

Jugend forscht

Viel Geld hat Real in den vergangenen Jahren in die Hand genommen, um junge Talente an Bord zu holen. Eine Chance bekamen sie nicht immer. Ein gutes Beispiel ist der 18-jährige Vinícius Júnior. Von Lopetegui noch zur zweiten Mannschaft abgeschoben, darf der Brasilianer unter Solari regelmäßig von Beginn an ran. Dass nicht alles klappt, ist klar. Aber eine positive Entwicklung ist unverkennbar.

Dies gilt aber nicht nur für Vinícius. Pünktlich zur heißen Phase der Saison hat sich das Starensemble neu gefunden. Von Cristiano Ronaldo spricht in diesen Tagen kaum noch jemand. Ein Verdienst von Solari, der sich aber selbst den größten Gefallen getan hat. Denn mittlerweile sieht es gut aus, dass der Ex-Profi über den Sommer hinaus Cheftrainer bleiben wird. Platz neun ist schließlich in weiter Ferne.