Nicht viele Fußballer sind mit dem Talent eines Marco Reus gesegnet. Dass es (bislang) nicht zur Weltkarriere gereicht hat, ist ein Resultat immer wiederkehrender Verletzungsprobleme. Mittlerweile geht Reus auf die 30 zu, wird bald Vater und ist seit dieser Saison Kapitän von Borussia Dortmund.

Eine Rolle, die den heimatverbundenen Ur-Dortmunder richtiggehend aufblühen lässt. Unisono loben ihn die BVB-Neuzugänge als Vorbild, Identifikationsfigur und Integrationshelfer. Reus befindet sich nicht nur in herausragender sportlicher Verfassung; er schreitet voran beim Projekt Bayern-Jagd, das am Samstag beim furiosen 3:2 seinen vorläufigen Höhepunkt fand.

Reus bleibt „auf dem Teppich

Nicht von ungefähr trat Reus gegen den FCB als Spielentscheider in Erscheinung. Sein Doppelpack öffnete dem BVB den Weg zum Sieg. Als die Dortmunder zweimal dem Rückstand hinterherliefen, kurbelte Reus unermüdlich an.

Wenn du sieben Punkte vorne bist, ist es klar, dass wir da oben sein wollen“, sagte Reus im Anschluss an das fulminante Gipfeltreffen im ‚Aktuellen Sportstudio‘. Er sei „stolz auf die aktuelle Situation“. Dennoch gelte es, „auf dem Teppich zu bleiben.“

Reus – das merkt man in jedem Interview und bei jeder Pressekonferenz – tritt reifer auf. Er gehört zwar nicht zur Kategorie Stefan Effenberg, der quasi als Führungsspieler geboren wird. Aber er ist peu à peu in die Rolle hineingewachsen und füllt sie nun mit einer Leidenschaft und Selbstverständlichkeit aus, die dem BVB gut zu Gesicht steht.

Favre als Faktor

Die Kapitänsbinde hat Marco brutal verändert und ihn nochmal stärker gemacht“, fasst Michael Zorc zusammen – und lobt dabei implizit Lucien Favre. Denn es war hauptsächlich die Entscheidung des Schweizers, Marcel Schmelzer das Amt zugunsten von Reus zu entziehen.

Und diese war durchaus mit Risiko verbunden. Schließlich hätte Schmelzer auch aufbegehren können. Doch der Reus-Kumpel hielt sich zurück und ist in der Hierarchie mittlerweile ein verlässlicher Adjutant des Kapitäns.