Wer hätte gedacht, dass sich die Bundesliga einmal bei Uli Hoeneß bedanken darf? Unerreichbar war der FC Bayern in den zurückliegenden Jahren für die nationale Konkurrenz. Die emsigsten Bewerber um den Platz als nationale Nummer zwei wechselten sich munter ab. Mal war es Borussia Dortmund, dann Wolfsburg, zuletzt Leipzig. Ernste Gefahr ging für die Bayern von keinem der Kandidaten aus.

Eine Periode des konkurrenzlosen Erfolgs, in der ein Mann nicht an der Säbener Straße waltete: Uli Hoeneß. Der 65-Jährige hatte seinen Wohnsitz aufgrund eines Steuerverstoßes vorübergehend in weniger komfortable Gefilde gewechselt. Inzwischen ist er wieder Präsident der Münchner. Für den Erfolg des Vereins aber ist die Rückkehr des ehemaligen Sträflings nicht zwingend ein Segen respektive von Erfolg geprägt.

Im Gegensatz zur Amtszeit von Karl-Heinz Rummenigge, der in Hoeneß‘ Abwesenheit den Vorsitz des FC Bayern übernahm. Rummenigge verstand es, den Traditionsklub aus München zu einer globalen Marke auszubauen und den Verein wieder in der absoluten Weltspitze zu etablieren – neben Real Madrid und dem FC Barcelona. Auch die Transferpolitik gestaltete er anders als sein langjähriger Weggefährte. Es wurde sich nicht mehr zwanghaft bei der Bundesligakonkurrenz bedient.

Hoeneß gut für die Liga

Vielmehr setzte Rummenigge bei der Einkaufspolitik auf fertige Stars und hochtalentierte Jungs, die neben fußballerischer Extraklasse ein gewisses Marken-Potenzial mitbrachten. In der Folge deklassierte er die deutsche Konkurrenz, baute den Abstand schier uneinholbar aus. Selten kapitulierte die Bundesliga vor den Bayern wie in den vergangenen zwei Jahren.

Niemand zeigte sich angriffslustig, Abstiegskandidaten schonten ihre Spieler lieber für aussichtsreichere Duelle. Die Liga zeigte sich ohnmächtig. Das ist spätestens seit dieser Saison vorbei, zumindest vorerst. Und daran hat Hoeneß, der traditionsbewusste Grantler einen erheblichen Anteil. Der neue und alte Präsident des Klubs hat es geschafft, Dinge wieder zu entschleunigen und zur – seines Erachtens – bewährten Personalpolitik zurückzukehren.

Das weiß insbesondere auch Rummenigge. Seit Hoeneß zurück ist, herrscht ein Kompetenz-Gerangel beim Rekordmeister, um den Sportdirektor-Posten, Transfers, China-Reisen und strategische Markenentwicklung.

Ankreiden lassen muss sich Rummenigge die Verpflichtung von Carlo Ancelotti. Aus Hoeneß‘ Sicht ein weiterer Fehler hin zur Globalisierung seines Vereins, zum Werteverlust. Aus neutraler Sicht beziehungsweise aus dem Blickwinkel der Konkurrenz aber darf resümiert werden: Danke, dass du wieder da bist, Uli. Durch dich ist die Liga endlich wieder spannend.