Der Verlauf der Karriere von Süleyman Koc gleicht einer Achterbahnfahrt: Der gebürtige Berliner war einst ein hoffnungsvolles Talent, das aber auf die schiefe Bahn geriet und wegen krimineller Delikte zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt wurde. Koc berappelte sich und kämpfte sich über die Zwischenstation SV Babelsberg zurück. Der Lohn: Ein Vertrag beim damaligen Zweitligisten SC Paderborn. Mit den Ostwestfalen stieg er anschließend in die Bundesliga auf und sorgte dort zunächst für Furore.

Etwas mehr als zwei Jahre liegt es mittlerweile zurück, das Bundesligadebüt des heute 27-Jährigen. Im ersten Heimspiel der Paderborner Bundesliga-Historie wirbelte Koc 81 Minuten lang auf den offensiven Flügeln und sorgte dafür, dass der SCP gegen Mainz 05 direkt mit einem Punktgewinn startete. Vom Glanz dieser Tage und der folgenden Wochen, in denen die Paderborner in Gallier-Manier die Bundesliga aufmischten, sind derzeit die meisten damals beteiligten Akteure weit entfernt. Das gilt für den SCP, der mittlerweile in der 3. Liga spielt; es gilt aber auch für Süleyman Koc, der derzeit zur Fußball-Pause gezwungen ist.

Kreuzbandriss verhindert Trabzonspor-Wechsel

Schuld daran ist ein Kreuzbandriss, den sich Koc nach seinem Abschied aus Paderborn zuzog. Ende Juni war das, Koc steckte mitten in den Verhandlungen mit interessierten Vereinen und schuftete selbstständig in der Vorbereitung. Einige deutsche Klubs hatten zu diesem Zeitpunkt ihr Interesse an Koc hinterlegt, verrät Berater René Deffke im Gespräch mit FT. Den Flügelflitzer aber zog es mit aller Macht in die Türkei, genauer: Zum sechsfachen Meister Trabzonspor. „Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits sehr weit in den Verhandlungen. Durch die Verletzung wurde logischerweise aus dem Wechsel nichts“, erklärt Deffke weiter.

In der türkischen Hafenstadt hätte es Koc bedeutend leichter gehabt, sich in den Fokus von Nationaltrainer Fatih Terim zu spielen. Der 63-Jährige, von türkischen Medien gerne als General tituliert, hatte den Rechtsaußen offensichtlich schon länger auf seiner Liste und war damit ein Hauptargument für den angestrebten Wechsel in die Türkei. Das bestätigt Deffke unserer Redaktion: „Terim riet Koc zu einem Wechsel in die Süper Lig. Er versprach ihm, dass er dadurch in den Fokus der Nationalelf geraten würde.

Wechsel weiterhin möglich

Von diesem Traum muss sich Koc vorerst verabschieden. Ob er weiterhin alles auf die Karte Süper Lig setzt, oder sich unter diesen Umständen auch ein erneutes Engagement in Deutschland vorstellen kann, lässt sein Berater offen. Theoretisch könnte Koc als derzeit vereinsloser Akteur jederzeit einen Vertrag bei einem deutschen Profiklub unterschreiben. Bis zum Ende der Wintertransferphase am 31. Januar 2017 wäre ein solcher Wechsel möglich.

Dass sich Koc auch in Deutschland durchaus einen Namen gemacht hat, beweist eine weitere Episode aus der wechselhaften Karriere des 27-Jährigen. Im Sommer 2015, kurz nach dem Zweitligaabstieg des SC Paderborn, wollte der Hamburger SV Koc gerne unter Vertrag nehmen. Der Wechsel aber scheiterte; spekuliert wurde beispielsweise über eine zu hohe Ablöseforderung aus Paderborn. „Das Interesse des HSV war schon sehr konkret“, erinnert sich Deffke. Über die genauen Gründe für den geplatzten Transferdeal schweigt er sich jedoch aus. Wohl in dem Wissen, dass seinem Klienten derzeit nur der Blick nach vorne helfen kann.