Die Zeichen verdichten sich, dass sich auch Bayern München auf dem reichhaltigen englischen Talente-Markt bedienen wird. Mit Callum Hudson-Odoi haben Hasan Salihamidzic und Co. einen Rohdiamanten ausgemacht, der in der Münchner Vitrine landen soll. Koste es, was es wolle. Mittlerweile hat das Angebot die 30 Millionen Euro geknackt – und Chelsea blockt noch immer.

Ob der Rekordmeister am Ende nun die mittlerweile geforderten 40 Millionen Euro bezahlt oder nicht, spielt dann auch keine Rolle mehr. Klar ist: Bei Vollzug wird es nicht nur einen der teuersten Transfers des Winters, sondern auch der Bundesliga-Historie geben. Dabei geht es um einen Spieler, der erst vor zwei Monaten die Volljährigkeit erreicht hat.

Der Unterschied zum Sancho-Transfer

Auf diese Weise unterscheidet sich der Fall Hudson-Odoi grundlegend von einem anderen englischen Bundesliga-Import: Manchester City musste Jadon Sancho vor einem Jahr für läppische acht Millionen Euro zu Borussia Dortmund ziehen lassen, weil der Dribbelkünstler statt eines Profi-Vertrags einen sogenannten Scholarship-Vertrag besaß. Da Sancho diesen gekündigt hatte, wäre er theoretisch sogar ablösefrei gewesen. Die acht Millionen zahlte Dortmund, um nicht auf einen Schiedsspruch der englischen Liga warten zu müssen.

All das wurde möglich, weil Sancho bis dato kein Profi-Spiel absolviert hatte. City waren die Hände gebunden. Im Gegensatz dazu hat Chelsea im Hudson-Odoi-Poker alle Trümpfe in der Hand, kann durch dessen bisherige Profi-Einsätze Bayern Million um Million entlocken. Lässt sich der FCB darauf ein, wäre das ein Fingerzeig für die Klubs der Premier League, wie es richtig geht.

Folgen für die Bundesliga

Konkret: Die Jungspunde mit vereinzelten Kurzauftritten in der Profi-Mannschaft mitschwimmen lassen und damit die leicht kündbaren Scholarship-Verträge beseitigen. Die Spieler sind dann nicht mehr frei verfügbar, gewaltige Summen können mit dem Verweis auf die Entwicklungsfähigkeit des Talents gefordert werden. Bei U19-Nationalspieler Hudson-Odoi reden wir von zehn Profi-Pflichtspielen.

Eines ist sicher: Sollten die englischen Klubs in Zukunft grundsätzlich Summen jenseits der 30 Millionen Euro fordern, wäre der englische Markt für die meisten Bundesligisten bereits wieder geschlossen. Sämtliche deutsche Klubs außer Bayern, Dortmund und vielleicht noch RB Leipzig müssten sich umorientieren. Allenfalls Leihen wären möglich, wie sie die TSG Hoffenheim im Falle von Arsenals Reiss Nelson tätigte.