Früher nannten sie ihn bei Borussia Dortmund die „Kante“. Für die Experten lag damals auf der Hand, dass der durchtrainierte Abwehrspieler den Sprung in die Bundesliga schaffen würde. Sämtliche Anlagen waren zur Genüge vorhanden. Denn neben der nötigen Körperlichkeit brachte Koray Günter auch sämtliche fußballerischen Anlagen mit, um sich in der Beletage des deutschen Fußballs durchsetzen zu können.

Es kam anders: An Mats Hummels und Neven Subotic war kein Vorbeikommen für den Jungspund, der gerade erst der A-Jugend der Schwarz-Gelben entwachsen war. 2014 dann, im Alter von knapp 20 Jahren, wagte Günter den Sprung in die Türkei – das Heimatland seiner Eltern.

Heimat in Italien gefunden

Galatasaray war in den folgenden vier Jahren sein Arbeitgeber. Das große persönliche Glück fand Günter am Bosporus trotz einiger Vereinserfolge allerdings nicht. Dieses war ihm für seine Zeit in Italien vorenthalten. Vergangene Saison beim FC Genua, seit dem Sommer nun bei Hellas Verona – für die Norditaliener entschied sich Günter trotz lukrativer Angebote von Newcastle United sowie diversen anderen Klubs aus der Serie A.

Und die Entscheidung hat sich gelohnt. Bei Hellas ist der mittlerweile 25-Jährige gesetzt. Zumeist agiert der Rechtsfuß auf der linken Innenverteidiger-Position einer Dreierkette. Dort zeigt er sich zweikampfstark, umsichtig und mit starker Spieleröffnung. Dreimal stand in der noch jungen Saison schon der Titel Man of the Match. Mit nur neun Gegentreffern in elf Partien stellt Verona auch dank Günter gemeinsam mit Juventus Turin die beste Defensive der Liga.

Was macht Löw?

Deutlich mehr als 30 Jugendländerspiele hat Günter in der Vergangenheit für den DFB bestritten. Bis heute wäre er trotz zahlreicher Anwerbungsversuche des türkischen Verbands für Deutschland spielberechtigt.

Seine Leistungen, sollte er sie auf diesem hohen Niveau bestätigen, könnten ihn auf kurz oder lang in den Dunstkreis der Nationalelf spülen. Dort hat Joachim Löw momentan mit großen Personalproblemen zu kämpfen: Niklas Süle fällt angesichts seines Kreuzbandrisses voraussichtlich bis zur kommenden Saison aus. Ob Mats Hummels wieder berücksichtigt wird, steht in den Sternen. Günter jedenfalls wäre bereit.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an den damaligen Nobody Shkodran Mustafi, der sein Debüt im Mai 2014 kurz vor der WM feierte – damals noch in Diensten von Sampdoria Genua. Nur wenige Wochen später war Mustafi Weltmeister.