Man darf geteilter Meinung sein über Philipp Lahms Schritt, seine Fußballschuhe schon im Sommer an den Nagel zu hängen. Aus sportlicher Sicht wird der einstige DFB-Kapitän selbst am besten wissen, welche Leistungsfähigkeit sein Körper noch in sich birgt. Auf der anderen Seite der Medaille steht allerdings der Vertragsbruch, den Lahm mit Blick auf seinen bis 2018 datierten Vertrag begeht.

Klar – der FC Bayern hat dem Wunsch des verdienten Urgesteins ohne öffentliches Murren zugestimmt. Doch blieb Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Co. denn wirklich eine andere Wahl? Schließlich hätte man Lahm kaum zu einer weiteren Saison Profifußball nötigen können. Zu einem Leben mit vielen Entbehrungen, zu dem sich der 33-Jährige nicht mehr in der Lage sieht.

Kimmich als Wunsch-Nachfolger

Rund sieben Millionen Euro Gehalt werden die Bayern in der kommenden Saison einsparen, denn Lahm hat bereits offiziell erklärt, dass er auch für den Posten des Sportdirektors vorerst nicht zur Verfügung steht. Ein gewisses Zähneknirschen war bei den Bayern-Bossen infolge dieser Entscheidung nicht zu überhören. Nur zu gerne hätte man Lahm in irgendeiner Form außersportlich eingebunden. Zusammengekommen sind beide Parteien nicht. Was zurückbleibt, ist zumindest ein kleines Geschmäckle.

Mit Spannung erwartet wird die Suche nach einem Nachfolger, der Lahm auf seiner angestammten Rechtsverteidigerposition adäquat und vor allem langfristig vertritt. Und es scheint ganz so, als würde der Rekordmeister dazu tendieren, Joshua Kimmich diesen Rucksack auf den Rücken zu binden. Sowohl Hoeneß als auch Rummenigge haben bereits durchscheinen lassen, dem Jungnationalspieler diese Rolle zuzutrauen.

Kimmich muss überzeugt werden

Was noch im Weg steht, sind Kimmichs persönliche Ambitionen. Der gelernte Mittelfeldspieler hat sich noch nicht wirklich damit arrangiert, auf die Außenbahn abgeschoben zu werden. Dort hätte der 22-Jährige deutlich weniger entscheidende Ballkontakte. Sein Einfluss auf das Spiel würde abnehmen, gleichzeitig hätte er allerdings glänzende Perspektiven, bei den Bayern den Sprung in die Kategorie Weltklasse zu schaffen.

Denn sämtliche Voraussetzungen dafür bringt Kimmich mit. Der Rechtsfuß ist giftig im Zweikampf, hat den Blick für die freien Räume und ist auch mit ausreichender Grundschnelligkeit für diese sprintintensive Position ausgestattet.

Lahms vorzeitiger Abschied könnte sich somit zum Glücksfall für die Bayern entwickeln. So kann sich Kimmich früh auf die neue Aufgabe fokussieren. Ein Jahr später wäre dem ehrgeizigen Schwaben die Umstellung womöglich deutlich schwerer gefallen, wenn er sich erst in der Zentrale festgespielt hätte. Unabsichtlich könnte Lahm also dafür sorgen, dass es beim FC Bayern auf seiner Position nahtlos weitergeht.

Das heißt im Umkehrschluss natürlich nicht, dass Kandidaten wie Benjamin Henrichs kein Thema mehr an der Säbener Straße werden könnten. Den Markt werden die Bayern-Scouts im Blick behalten. Schließlich ist auch Ersatzmann Rafinha mit seinen 31 Jahren nicht mehr der Jüngste. Seinen auslaufenden Vertrag hat er aber kürzlich nochmals um ein Jahr verlängert.