Seine Verpflichtung war ein Zeichen an die Konkurrenz. 32 Millionen Euro zahlte Bayer Leverkusen für Kerem Demirbay an die TSG Hoffenheim. Über zehn Millionen mehr als für die bisherigen Rekordverpflichtungen Kevin Volland und Lucas Alario. Die Botschaft war klar: Nach dem Abgang von Julian Brandt wird die Werkself den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern investieren und angreifen.

Ein Vorhaben, das bisher durchaus funktioniert. Mit einem Sieg am heutigen Freitagabend über Eintracht Frankfurt würde Bayer an die Tabellenspitze der Bundesliga klettern. Im DFB-Pokal ist man auf Kurs, in der Champions League in einer schweren Gruppe noch punktlos, aber nicht uneinholbar abgeschlagen.

Eigentlich also alles in Ordnung für Demirbay unterm Bayer-Kreuz, wäre da nicht die Tatsache, dass der 26-Jährige zum Erfolg der vergangenen Wochen kaum etwas beizutragen hat. Seinen Platz in der ersten Elf hat er mittlerweile verloren, seine Leistungen lassen zu wünschen übrig. Demirbays Formloch wird nicht nur in Leverkusen registriert. Als Joachim Löw in der jüngsten Länderspielpause mehrere Mittelfeldspieler absagten, nominierte der Bundestrainer Suat Serdar und Sebastian Rudy anstelle des Confed Cup-Siegers von 2017 nach.

Erklärungsversuche

Leverkusen-Trainer Peter erklärte jüngst sachlich im ‚kicker‘, warum Demirbay unter ihm noch nicht die erwünschten Leistungen abruft: „Weil er ein bisschen Pech gehabt hat. Er hat am Anfang bei mir alle Spiele gemacht. Dann war er aus privaten Gründen ein Spiel nicht dabei, und danach fehlte er einmal verletzt. Aber die Entwicklung der Mannschaft ging weiter. Kerem ist neu. Er muss sich an eine andere Spielweise anpassen. Aber wenn man in so einer Phase fehlt und die Mannschaft gut Fußball spielt, ändert man das als Trainer nicht so einfach. Das hat Kerem verstanden.“

Der Aránguiz-Ersatz?

Gegen Frankfurt winkt Demirbay nun aber wieder die Startelf und der 26-Jährige muss zeigen, dass er in der Lage ist, das Spiel der Werkself zu lenken. Denn mit Charles Aránguiz fehlt Bosz in den kommenden Spielen der prägende Mittelfeldspieler der laufenden Saison verletzt.

Für Demirbay haben nun die Wochen der Wahrheit begonnen. Enden können sie auf zwei mögliche Arten: Mit einem Stammplatz und dem Beweis, dass der Spielmacher seine Rekordablöse wert ist. Oder mit der wachsenden Befürchtung, dass seine Verpflichtung zwar ein Zeichen an die Konkurrenz war, aber keine sportliche Verstärkung für Bayer.