240 Millionen Euro gab Manchester City im laufenden Transferfenster bereits für Neuzugänge aus. Ein neuer Rekord in der Premier League. Auch beim FC Chelsea (140 Millionen), Manchester United (120 Millionen) und dem FC Everton (100 Millionen) heißt es in diesem Sommer klotzen statt kleckern. Einen ganz anderen Weg verfolgt da der Vizemeister des Vorjahres: Tottenham Hotspur.

Keinen einzigen Cent investierten die Spurs bislang in neue Spieler. Man könnte fragen: Warum auch? Mit einem Torverhältnis von 86:26 stellten die Londoner sowohl die beste Offensive als auch die beste Abwehr der Premier League. Stattdessen steht Stand jetzt ein fettes Transferplus von 80 Millionen Euro. Begünstigt wird das durch die Verkäufe der zuvor verliehenen Nabil Bentaleb (19 Millionen, Schalke 04), Clinton N’Jie (sieben Millionen, Olympique Marseille) und Federico Fazio (3,2 Millionen Euro, AS Rom). Auch wenn der 51-Millionen-Abgang von Rechtsverteidiger Kyle Walker zu Manchester City nochmal für Bewegung im Kader sorgen dürfte: Das Hauptaugenmerk von Trainer Mauricio Pochettino liegt nicht auf dem Transfermarkt.

Eingespieltheit ist Trumpf

Stattdessen setzt der Argentinier auf Kontinuität im Kader der Spurs. Bereits in der vergangenen Saison schaffte mit Victor Wanyama nur ein neuer Mann den Sprung in die Stammelf. Der Kern des Teams spielt schon viel länger zusammen – und soll auch noch lange gemeinsam erfolgreich sein. Dafür treibt Pochettino die Kaderplanung in seinem ganz eigenen Stil voran. Mit Vertragsverlängerungen statt teuren Neuzugängen.

Mit Kapitän Hugo Lloris, Torjäger Harry Kane, Supertalent Dele Alli und Rechtsverteidiger Kieran Trippier verlängerten gleich vier Leistungsträger bis 2022. Defensivallrounder Eric Dier und Ben Davies sind bis 2021 gebunden, Spielmacher Christian Eriksen bis 2020. Ein großes Versprechen an die Zukunft. Die wichtigsten Mitarbeiter des Vereins – die besten Spieler – werden somit nicht nur gebunden. Auch ihr Marktwert und somit der Wert des Vereins steigt immens.

Verhandlungsprofi Levy

Dass die Spurs zwar finanziell noch immer nicht in einer Liga mit den ganz großen Namen spielen, zeigt auch Walkers Abgang zu Man City. Allerdings sitzt mit Daniel Levy ein gewiefter Präsident an der Spitze des Klubs. Als knallharter Verhandlungspartner brachte er seinen Spurs schon einige lukrative Deals ein. Nicht zuletzt der Weltrekord-Verkauf von Gareth Bale an Real Madrid (für 101 Millionen Euro) im Jahr 2013.

Damals reinvestierte Tottenham das Geld in sieben teils nur mittelmäßige Spieler. Für die überhasteten Transfers von Paulinho, Roberto Soldado, Étienne Capoué & Co. mussten die Spurs einige Kritik über sich ergehen lassen. Obwohl Pochettino damals noch nicht da war, hat er aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Und geht jetzt einen Weg, der zwar asymmetrisch zur Premier League-Konkurrenz verläuft, aber großen Erfolg in der Zukunft verspricht.

Dank Kontinuität und Weitsicht dürfte Tottenham in den kommenden Jahren entweder englischer Meister oder durch Spielerverkäufe steinreich werden. Keine allzu schlechten Aussichten für den Klub von der altehrwürdigen White Hart Lane.

Die Stammelf mit Vertragslaufzeiten