Carlo Ancelotti hat sich festgelegt. Joshua Kimmich soll Nachfolger von Philipp Lahm werden, der im Sommer die Schuhe an den Nagel hängt. Zumindest lautet so die offizielle Version – die hartnäckig angezweifelt wird. Zum einen weil Ancelotti derzeit lieber auf Rafinha als auf Kimmich als Lahm-Backup setzt. Zum anderen weil Kimmich seine stärksten Spiele im zentralen Mittelfeld absolviert hat. Dazu passend wird der FC Bayern auch immer wieder mit neuen Rechtsverteidigern in Verbindung gebracht.

Ein Dauergast in der Gerüchteküche des Rekordmeisters ist Nélson Semedo. Der 23-Jährige überzeugt derzeit bei Benfica Lissabon als dynamischer Außenverteidiger mit Offensivdrang und hinterließ auch im Achtelfinale gegen Borussia Dortmund einen positiven Eindruck. Zuletzt wurde es zwar etwas ruhiger um Semedo, doch genau das scheint laut portugiesischen Medienberichten der Plan der Bayern zu sein. Der Portugiese bleibt ein spannender Kandidat, auch wenn er mit einer Ausstiegsklausel über 60 Millionen Euro alles andere als ein Schnäppchen wäre.

Ein teures Unterfangen

Von dem Gedanken, für wenig Geld einen adäquaten Lahm-Nachfolger verpflichten zu können, wird man sich an der Säbener Straße jedoch sowieso verabschiedet haben. Auch Djibril Sidibé von der AS Monaco, dessen Name vom ‚kicker‘ in den Ring geworfen wurde, wird einiges kosten. Der 24-Jährige wechselte erst im vergangenen Sommer für 15 Millionen Euro ins Fürstentum und konnte seitdem seinen Marktwert deutlich steigern.

Gleiches ist Kyle Walker gelungen, der im Laufe der Zeit von einem sprintstarken Laufwunder ohne großes Spielverständnis zu einem kompletten Rechtsverteidiger reifte. Die Verpflichtung des 26-Jährigen entpuppt sich jedoch als harte Nuss. Zum einen plant Tottenham Hotspur den erst im September verlängerten Vertrag Walkers erneut auszudehnen. Zum anderen buhlt auch die Premier League-Konkurrenz um den englischen Nationalspieler. Dass sich die Bayern auf ein Wettbieten mit Scheichklubs wie Manchester City einlassen, ist unwahrscheinlich.

Einfacher könnte da der Kauf von Andrea Conti sein. Der 23-Jährige beackert bei Atalanta Bergamo – dem Überraschungsfünften der Serie A – die rechte Außenbahn und weist mit sieben Toren und fünf Vorlagen überragende Statistiken auf. Zwar hat Conti noch Vertrag bis 2021, doch droht Atalanta nach den jüngsten Erfolgen der sommerliche Ausverkauf. Conti wäre von allen bisher gehandelten Kandidaten wohl der günstigste.

Auch nach Benjamin Henrichs von Bayer Leverkusen hat der FC Bayern nach FT-Informationen die Fühler ausgestreckt. Doch wie Berater Ali Bulut unserer Redaktion verriet, ist das Werkself-Eigengewächs im Sommer nicht auf dem Markt, sondern soll in Leverkusen weiter reifen. Die jüngste Formschwäche des Jungnationalspielers zeigt, dass dies vorerst die richtige Entscheidung ist. Die Suche nach einem Rechtsverteidiger wird also weitergehen, auch wenn sie offiziell gar nicht stattfindet.