Es war mir wichtig, früh für klare Verhältnisse zu sorgen“, wurde Julian Nagelsmann in der offiziellen Pressemitteilung der TSG Hoffenheim zitiert. Und weiter: „In der Branche wird immer Ehrlichkeit verlangt. Die haben wir bewiesen und ich erwarte, dass dies auch respektiert wird.“

Als ehrenwert kann man die Wechsel-Bekanntgabe gut und gerne bezeichnen, auch wenn der Mediendruck sicherlich eine entscheidende Rolle spielte. Doch wie wird man in Hoffenheim reagieren, sollte der Saisonstart nicht nach Wunsch verlaufen. Rufe nach „mangelnder Identifikation mit dem Klub“ oder „Gedanken an Leipzig“ könnten schnell laut werden.

Positiv- und Negativbeispiele

Die Geschichte zeigt: Nicht jede vorzeitige Abschiedsverkündung zog auch Misserfolge nach sich. Nachdem Pep Guardiola schon in der Winterpause der Saison 2015/16 seinen späteren Abschied vom FC Bayern bekanntgegeben hatte, folgte eine starke Rückrunde, die im Double gipfelte. Nur böse Zungen behaupteten, das verpasste Triple sei auf den nahenden Abschied des katalanischen Lehrmeisters zurückzuführen.

Doch es gibt auch die andere Seite der Medaille: Eintracht Frankfurt beispielsweise brachte in der Bundesliga nichts mehr zustande, nachdem Niko Kovacs Bayern-Wechsel öffentlich gemacht wurde. Immerhin raufte sich das Team für das DFB-Pokalfinale noch einmal zusammen.

Ein anderes Beispiel ist das von Felix Magath aus dem Jahr 2004. Früh schon hatte der FC Bayern die Verpflichtung des damaligen VfB-Trainers verkündet. Die Folge: Die Schwaben verspielten die schon sicher geglaubte Champions League-Qualifikation.

Der Verein ist gefragt

Helfen wird Nagelsmann das beschauliche (Medien-)Umfeld im Kraichgau. Dort neigt man nicht dazu, mit allzu viel Emotionalität an solche Themen heranzugehen. Man stelle sich nur vor, als Schalke- oder Dortmund-Coach würde man ein Jahr vorher seinen Wechsel zu RB Leipzig verkünden. Eine weitere Saison an der Seitenlinie dieses Klubs wäre nicht tragbar.

Und dennoch: Nagelsmann steht vor einer großen Reifeprüfung. Lausbubenhafte Pressekonferenzen werden nun kritischer beäugt und inhaltlich hinterfragt. Bleibt für den 30-Jährigen zu hoffen, dass seine „Ehrlichkeit“ nicht in einem Spießrutenlauf endet.