Die Ablösesummen sind explodiert, keine Frage. Dass ein Klub knapp 100 Millionen Euro für drei neue Spieler auf den Tisch legt und keiner von ihnen in den ersten vier Ligaspielen sein Können zeigen darf, ist aber wohl einmalig. Zu sehen ist dieses Phänomen bei Real Madrid, wo der neue Trainer Julen Lopetegui sich nicht von Zahlen beeindrucken lässt.

Beispiel 1: Vinícius Júnior

Der 18-Jährige kam für satte 45 Millionen und mit großen Vorschusslorbeeren nach Madrid. Bislang durfte der Angreifer aber nur in der Zweitvertretung seine Qualitäten zeigen. Dort konnte er sich mit drei Toren in drei Einsätzen für höhere Aufgaben empfehlen. Lopetegui zufolge ist der Youngster noch nicht bereit für sein Debüt bei den Profis. Vinícius muss geduldig sein – hohe Ablöse hin oder her.

Beispiel 2: Álvaro Odriozola

Der Rechtsverteidiger wurde von Lopetegui im Sommer noch in den WM-Kader berufen und kostete 30 Millionen Euro Ablöse. Aktuell schenkt der Coach dem 22-Jährigen aber wenig Aufmerksamkeit. Dani Carvajal ist hinten rechts gesetzt und erst, wenn der Ex-Leverkusener eine Pause benötigt, wird Odriozola seine Chance bekommen. Alles andere als optimal für die Entwicklung des talentierten Verteidigers.

Beispiel 3: Mariano Díaz

Erst als der FC Sevilla ein konkretes Angebot für den Stürmer abgab, kam Real aus der Deckung und machte von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch. 21,5 Millionen mussten die Madrilenen für Mariano, der die spanische Hauptstadt erst ein Jahr zuvor für acht Millionen Euro verlassen hatte, auf den Tisch legen. Beim 1:1 in Bilbao am Wochenende hätte Real mehr Tempo in der Offensive gut gebrauchen können. Lopetegui aber ließ den Rückkehrer wie in der Vorwoche gegen Leganés (4:1) auf der Bank schmoren.

Neuzugänge haben es schwer beim Ballbesitz-Fetischisten Lopetegui. Erst wenn alles passt, will der 52-Jährige das neue Personal von der Leine lassen. Für Vinícius, Odriozola und Mariano eine schwierige Situation. Und angesichts ihrer Ablösesummen auch eine außergewöhnliche.