Einmal mehr hat Hasan Salihamidzic das Bayern-Interesse an Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea bestätigt. „Er ist ein sehr interessanter Spieler, den wir unbedingt verpflichten wollen. Er hat Qualitäten, die zu unserem Spiel passen. Er ist dribbelstark, schnell, hat einen guten Zug zum Tor“, sagte der Sportdirektor in der heutigen Presserunde im Trainingslager.

Nicht zu vergleichende Ablösesumme

Der FC Bayern schielt dabei auf den Erzrivalen aus Dortmund, der mit Jadon Sancho einen herausragenden Transfergriff getätigt hatte. Der 18-jährige Wunderknabe lief bereits 36 Mal für Borussia Dortmund auf und sammelte seither 22 Scorerpunkte – acht Tore und 14 Vorlagen.

Sancho war vor eineinhalb Jahren für acht Millionen Euro von Manchester City zum BVB gewechselt. Ein wahres Schnäppchen, wie sich kurz darauf herausstellen sollte. Die Münchner müssten für Hudson-Odoi, ebenfalls 18-jährig, Flügelspieler und Engländer, weitaus tiefer in die Tasche greifen. Kürzlich hieß es, dass die Chelsea-Verantwortlichen einer Ablöse von 35 Millionen Euro zugestimmt hätten.

Kein klassischer Dribbelkünstler

Die gekonnten Haken, der pfeilschnelle Antritt und die erfolgreichen Dribblings zeichnen Sancho ebenso wie Hudson-Odoi aus. Dabei wirkte der Teenager im gestrigen Pokalspiel gegen Tottenham Hotspur keineswegs verspielt – wie so manch anderer Tempodribbler in seinem Alter. Ganz im Gegenteil: Ausgestattet mit dem Auge für den besser postierten Mitspieler und mit dem Gespür für den richtigen Moment, um Konter geschickt einzuleiten, zeigte der 18-Jährige eine geradlinige Vorstellung.

Gleich in der zweiten Spielminute bewies Hudson-Odoi sein Können. Geschickt bereitete er nach einem Doppelpass mit Eden Hazard die erste Torchance vor. In der siebten Spielminute legte der Ausnahmekicker einen drauf: Einen Diagonalball nahm er direkt an, pflückte das Spielgerät herunter und dribbelte Richtung Tor. Ohne den Abschluss zu scheuen prüfte er Spurs-Schlussmann Paulo Gazzaniga.

Höhen und Tiefen in seinem Spiel

Im weiteren Verlauf ließ Hudson-Odoi seine enorme Schnelligkeit aufblitzen und spielte unbekümmert auf. Die rechte Außenbahn lief er hoch und runter. Bemerkenswert, dass der Flügelstürmer dabei die Defensivarbeit nicht vernachlässigte, wofür es im Anschluss Lob von Trainer Maurizio Sarri gab.

Sekunden vor Abpfiff der ersten Halbzeit sorgte der Wirbelwind für die gefährlichste Chelsea-Aktion. Eine abgefälschte Flanke wurde von Gazzaniga gerade so vereitelt. Nach der ersten Halbzeit standen für Hudson-Odoi die zweitmeisten Ballkontakte (45) zu Buche – eroberte Bälle in der eigenen Hälfte inklusive.

Im zweiten Spielabschnitt tauchte das Stürmer-Juwel zunehmend ab. Dementsprechend wurde er weitaus weniger in das Offensivspiel um Hazard, Willian und Co. eingebunden. Umso erstaunlicher, dass in der 63. Spielminute der Brasilianer Willian statt Hudson-Odoi für Flügelstürmer Pedro weichen musste.

Quo vadis Hudson-Odoi?

Coach Sarri setzte bisher selten auf die Dienste der englischen Nachwuchshoffnung. Der 59-jährige Italiener bevorzugt gestandene Spieler. Bei seinen vorherigen Trainerstationen FC Empoli und SSC Neapel war es nicht anders. Weil Chelsea aber eine exzellente Nachwuchsarbeit betreibt, könnte beim Übungsleiter ein Umdenken stattgefunden haben.

Hudson-Odoi hat seine Chance gegen Tottenham genutzt. Der ob seines Wechselwunschs in die Bringschuld geratene Flügelflitzer zeigt überragende Ansätze und knüpft an seine Auftritte in den Jugend- und Reservemannschaften von Chelsea an. Ob er langfristig für die Blues wirbeln wird, steht in den Sternen. Die Bayern hoffen, dass die überraschende Berufung in die Startelf kein Umdenken beim eigentlich wechselwilligen Teenager bewirkt hat. Schließlich soll man ihn schon vor einer Weile von einer Zukunft an der Isar überzeugt haben.