Diese Spurs sind ein Phänomen. Da gibt Tottenham im vergangenen Sommer nicht einen müden Cent für Neuzugänge aus, schon erreicht die Mannschaft von Trainer Mauricio Pochettino das größte Finale im Klubfußball. Die in England vorherrschende Meinung, dass nur der Erfolg hat, der auch ordentlich klotzt, wurde mal schön ad absurdum geführt.

Eine wohltuende Erkenntnis, dass Durchmärsche in das Champions League-Finale auch ohne das große Geld möglich sind. Ganz freiwillig hielten sich die Spurs aber nicht auf dem Transfermarkt zurück. Der Grund fasst gut 62.000 Zuschauer und hat die Anschrift 782 High Road. „Glaubt nicht, dass es nur 450 Millionen Euro kostet“, sagt Pochettino über das neue Tottenham Hotspur Stadium. Durch den Brexit seien die Kosten des Projekts auf 1,1 Milliarde hochgeschnellt.

Halten statt kaufen

Eine solche Ausgabe schnürt auch einem Verein aus der Premier League die Luft ab. Tottenham hat niemanden verpflichtet. „Es war das Beste, seine besten Spieler zu halten“, erläutert Pochettino die Devise des vergangenen Sommers.

Klar ist aber auch, dass dies nicht die Devise bleiben wird. So kitschig schön jetzt auch der Erfolg für die Null-Euro-Spurs ist, so wenig wird er sich wiederholen lassen, wenn Kaderjustierungen ein weiteres Mal ausbleiben. Es muss und es soll wieder investiert werden, damit die Mannschaft nicht stagniert.

Neuer Handlungsspielraum

So kann von Tottenham wieder einiges erwartet werden. Auch beträchtliche Ausgaben. Frisches TV-Geld kommt rein, ebenso wie die Champions League-Millionen. Daneben deutet vieles darauf hin, dass Leistungsträger wie Kieran Trippier und Christian Eriksen zu Geld gemacht werden. Dreistellige Millionensummen erwartet Vorstandsboss Daniel Levy für seine Stars.

Reichlich Handlungsspielraum für die ersehnten Neuverpflichtungen. Eine heiße Spur führte zuletzt zu André Gomes, aktuell vom FC Barcelona an den FC Everton verliehen. Kostenpunkt laut der spanischen Fachzeitschrift ‚Sport‘: 30 Millionen Euro. Viel, aber – typisch Spurs – auch keine Mondsumme für einen Spieler, der auf der Insel bereits überzeugt hat.

Weitere Namen in der Verlosung: Giovani Lo Celso (Betis Sevilla), Adrien Rabiot (Paris St. Germain), Youri Tielemans (AS Monaco) und Gedson Fernandes (Benfica Lissabon). Unklar noch, was Tottenham am Ende insgesamt auf den Tisch legt. Einen Null-Euro-Sommer wird es aber sicher nicht mehr geben.