„Ja, ich habe den Fans gesagt, dass wir mit ihm hätten verlängern können. Dann hätten mich alle hochleben lassen“, räumte S04-Manager Christian Heidel Ende September gegenüber der ‚Sport Bild‘ ein, dass man durchaus in der Lage gewesen wäre, Linksverteidiger Sead Kolasinac langfristig an die Knappen zu binden. Aus wirtschaftlichen Gründen aber entschied man sich gegen ein solches Szenario.

Nach sieben Spieltagen weist die Abwehr der Gelsenkirchener mit neun Gegentoren einen mittelmäßigen Wert auf. Weniger die Defensivqualitäten eines Sead Kolasinac als vielmehr dessen dynamische Vorstöße im Umschaltspiel werden in dieser Saison schmerzlich vermisst. Freilich zeigte sich Kolasinac-Nachfolger Bastian Oczipka (kam von Eintracht Frankfurt für 4,5 Millionen Euro) in der Defensive bislang weitestgehend stabil, in der Offensive jedoch nicht im Ansatz so präsent und gefährlich wie sein Vorgänger.

Doch nicht nur auf der Position des Linksverteidigers gelang es den Verantwortlichen von Königsblau nicht, qualitativ hochwertiges Personal nachzulegen. Die wohl größte Baustelle liegt eindeutig auf den Außenpositionen, sowohl defensiv als auch offensiv lahmt es bei den Schalkern. Manager und Kaderplaner Christian Heidel gelang es im Sommer nicht, diese Problemzonen vernünftig auszumerzen. Beispiele gefällig?

Linksaußenposition verwahrlost

Da wäre zum einen die vakante Position des offensiven Linksaußen, der man bei S04 nicht genügend Beachtung schenkte. Schon früh in der Saison machte Cheftrainer Domenico Tedesco klar, dass er auf Vorjahresflop Yevhen Konoplyanka setzen möchte. Zunächst dankte der Ukrainer seinem Vorgesetzten das Vertrauen, startet mit drei Toren nach zwei Pflichtspielen vielversprechend.

In der Folge verfiel Kono aber immer mehr in alte Verhaltensmuster, ließ die Durschlagskraft von Saisonbeginn mehr und mehr vermissen. Unter anderen Umständen hätte Fußballlehrer Tedesco dem 28-Jährigen sicherlich schon einmal eine kreative Schaffenspause nahegelegt.

Doch es gibt ein entscheidendes Problem: Konoplyanka ist auf der Position des offensiven Linksaußen nahezu konkurrenzlos. Eric Maxim Choupo-Moting verließ den Verein in Richtung Stoke City. Neuzugang Amine Harit (kam für 8 Millionen Euro vom FC Nantes) könnte zwar theoretisch den linken Flügel besetzen, wird aber auf der gegenüberliegenden Seite eingesetzt. Und Spieler wie Franco Di Santo, Max Meyer und Co. fühlen sich ohnehin auf anderen Positionen viel wohler.

Schöpf und Caligiuri: Rechtsverteidiger wider Willen

Zum anderen versäumten es die Macher bei Königsblau, den chronisch unterbesetzten Posten auf der rechten Abwehrseite aufzuwerten. Mit dem einzigen etatmäßigen Rechtsverteidiger Coke kann Tedesco nur wenig anfangen und setzte dem Spanier direkt mit Daniel Caligiuri einen gelernten Mittelfeldspieler vor die Nase.

Mit Alessandro Schöpf – ebenfalls eigentlich ein Rechtsaußen – laboriert ein weiterer Spieler an den Folgen seines Kreuzbandrisses und Rückenproblemen, der theoretisch den Part auf der rechten Abwehrseite erfüllen könnte. Und um das Trio der Notlösungen komplett zu machen, legte man dem eigentlich vereinslosen Sascha Riether (34) noch einmal einen Kontrakt bis Ende 2018 vor.

Und auch wenn Tedescos’ erste Wahl Caligiuri seinen Aufgaben als Rechtsverteidiger bislang akzeptabel nachgeht, muss man der Führung bei S04 trotzdem vorwerfen, dass man auf dieser Position die Füße nahezu still gehalten hat. Gut möglich aber, dass im Winter in diesem Bereich nachgerüstet wird. Insbesondere, sollte Coke den Verein Richtung Heimat verlassen. Zuletzt siganilisierte UD Levante Interesse.

FT-Fazit: Auch wenn Schalke im Sommer mit Bastian Oczipka, Amine Harit, Yevhen Konoplyanka und zuletzt Sascha Riether immerhin vier neue für die Außenbahnen präsentierte, ist dies angesichts der dünnen Personaldecke in den jeweiligen Arbeitsbereichen einfach noch zu wenig. Insbesondere auf dem Posten des Rechtsverteidigers und des Linksaußen herrscht Aufrüstungsbedarf. Die Torausbeute von gerade einmal neun eigenen Treffern in sieben Ligaspielen spricht eine deutliche Sprache. Gut möglich, dass sich Manager Heidel im Winter noch einmal zum Handeln gezwungen sieht.