Im Sommer hat sich Ralf Rangnick aus dem großen Bundesliga-Rampenlicht verabschiedet. Fortan führt er den verklausulierten Titel Head of Sport and Development Soccer bei der Red Bull GmbH. Der 61-Jährige ist als Fußball-Chef unter anderem für die RB-Dependance in New York sowie den erst kürzlich einverleibten zukünftigen brasilianischen Erstligisten CA Bragantino zuständig.

Rangnick, der Ronaldo-Entdecker

Dass diese Position für Rangnick wie gemacht ist, liegt auf der Hand. Der Fußballlehrer gilt als ausgewiesener Fachmann auf dem südamerikanischen Kontinent. Legendär ist die Geschichte, dass es Rangnick war, der das spätere Fenômeno Ronaldo Luis Nazario de Lima als erstes entdeckt hatte.

Als A-Jugendtrainer des VfB Stuttgart wollte er den kommenden Weltstar an den Cannstatter Wasen lotsen, traf sich in Brasilien mit dem damals 17-Jährigen und überreichte ihm ein VfB-Trikot. Später bestätigte Ronaldo, „Stuttgart war damals der erste Klub, der sich für mich interessiert hat“. Die von Cruzeiro Belo Horizonte geforderten fünf Millionen Euro Ablöse waren den Schwaben aber zu viel.

„Langes Meeting“ mit United

Bei Manchester United würden Transfers an diesen Summen freilich nicht scheitern. Und das Interesse der Red Devils am deutschen Perlentaucher ist verbrieft. Der deutsche England-Korrespondent Raphael Honigstein hatte am gestrigen Donnerstag bei ‚The Athletic‘ berichtet, dass ein „langes Meeting“ zwischen dem RB-Mitarbeiter und einem von United-Chef Ed Woodward autorisierten Mitarbeiter stattgefunden hat.

Gesprochen wurde über die vakante Position des Sportdirektors. Eine Rangnick-Aussage von Mitte Oktober kann man aus heutiger Sicht quasi als Bestätigung des Treffens werten: „Ich bin glücklich mit dem, was ich tue. Aber wenn ein Verein mit mir sprechen wollen würde, würde sich die Frage stellen, ob ich jemand sein könnte, der Entwicklungsbereiche im gesamten Klub beeinflussen kann. Andernfalls kommt lediglich die Hälfte meiner Fähigkeiten zum Tragen.

Zu wenig Befugnisse bei den Bayern

Der zweite Teil des Rangnick-Zitats kann zudem als Begründung für die Bayern-Absage verstanden werden. Hätten die Münchener mit weitreichenden Transferbefugnissen und der Stelle des Sportdirektors gelockt, Rangnick wäre die Absage sicher deutlich schwerer gefallen. Die profane Rolle des Übungsleiter kommt für den Kaderplaner aber nicht mehr infrage.

In Manchester könnten Rangnicks gesamte „Fähigkeiten zum Tragen“ kommen. Dass er Teams aufbauen kann, hat er sowohl bei der TSG Hoffenheim als auch in Leipzig bewiesen. Die Kraichgauer übernahm der gebürtige Backnanger als Regionalligist. In Zusammenarbeit mit der hiesigen Agentur Rogon um den Spielerberater Roger Wittmann landeten spätere brasilianische Stars wie Carlos Eduardo, Luiz Gustavo und Roberto Firmino in der Provinz.

Fußballprofessor Rangnick wie gemacht für United

Aber auch Entdeckungen wie Vedad Ibisevic, Sejad Salihovic, Demba Ba und Jannik Vestergaard gehen ebenso auf Rangnicks Konto wie in RB-Diensten Yussuf Poulsen, Joshua Kimmich, Lukas Klostermann, Marcel Halstenberg, Timo Werner oder jüngst Tyler Adams.

Bei United müsste Rangnick nicht so tief tauchen, sondern hätte rein finanziell die Möglichkeit, fertige Superstars zu kaufen. Die große Aufgabe würde aber darin bestehen, aus dem kriselnden Topklub ohne jegliche Struktur im Kader wieder ein Team zu formen. Mit seiner unbestrittenen Expertise und Riecher bei Transfers scheint der Fußballprofessor der ideale Mann für diesen Posten.