Theatre of Dreams, Theater der Träume, nennen sie diesen großen Kasten namens Old Trafford im Südwesten von Manchester. Ein Name, der nach Champions League und Spitzenfußball klingt. Die Heimat von Manchester United, einem der erfolgreichsten und wertvollsten Vereine überhaupt.

Was dieses Manchester United bis Dezember vergangenen Jahres geboten hat, war jedoch ganz und gar nicht traumhaft, hatte nichts mit Spitzenfußball, an schlechten Tagen noch nicht mal was mit irgendeiner Art von Fußball zu tun. José Mourinho stand an der Seitenlinie und gab sich größte Mühe, die Klasse seiner Spieler niederzuhalten. Wieder einmal wollte er abgezockten Ergebnis-Fußball zelebrieren – und scheiterte krachend.

Dass ein Trainer seiner Linie treu bleibt und so spielen lässt, womit er am meisten Erfolg zu haben glaubt, ist kaum zu kritisieren. Eher ist es der Klub, der sich mit Mourinho offenkundig für den falschen Weg entschieden hatte und das ausbügeln musste. Die Korrektur kam spät, aber sie kam. Ole Gunnar Solskjaer ist jetzt der starke Mann an der Seitenlinie und diesmal, zum ersten Mal seit Jahren, lagen die United-Verantwortlichen goldrichtig.

Identität

Wird Solskjaer gefragt, wie er jenen Klub, für den er einst 364 Spiele bestritt und 127 Tore erzielte, so schnell wieder in die Spur brachte, fällt stets das Wort Identität. „Es ist hier einfach für mich, weil ich weiß, was die Identität von Manchester United ist, was ein Manchester United-Spieler ist“, so der Norweger im Interview mit ‚Sky Sports‘, „es ist eine Identität der Überzeugung, des Vertrauens“.

Mut kann man es auch nennen. Mut, den Weg konsequent nach vorne, zum gegnerischen Tor zu suchen. Fehler gehören dazu. Wenn etwas nicht schiefgehen kann, steckt eben auch kein Mut dahinter. „Ich glaube daran, den Spielern zu vertrauen und ihnen zu vertrauen, dass sie auf die richtige Art und Weise spielen“, sagt Solskjaer, „wir versuchen, Teams zu dominieren und Spiele auf die richtige Weise zu gewinnen“. Und eben nicht auf die Mourinho-Weise.

Wie sehr ihn diese Art des Fußballs missfallen hat, machte der 45-Jährige kürzlich deutlich, als er von den „dummen Quer- und Rückpässen“ sprach, die United nun abgestellt habe. Solskjaer scheut sich nicht, seinen einst so erfolgreichen Vorgänger in die Nähe einer Fehlbesetzung zu rücken. Das verschafft ihm Rückhalt in der Öffentlichkeit, in der Mannschaft sowieso.

Jeder ist wichtig

Der Spielstil ist das eine, der Umgang mit jener Mannschaft das andere. Wie gesagt: Wenn der Vorgänger derart unbeliebt war, ist es mit ausreichend Abgrenzung leicht, die Spieler für sich zu gewinnen. Daneben sind es Einzelgespräche, die Solskjaer mit seinen Schützlingen führt. Jeder Einzelne ist wichtig, so seine Botschaft. Damit orientiert er sich an – na klar – Sir Alex Ferguson.

Was für den Spielerkader gilt, gilt aber genauso für den Trainerstab. Um die Arbeitsweise von Mourinho zu beschreiben, fällt vielfach das Wort „Diktatur“. Solskjaer hat da einen anderen Zugang: „Wir haben einen großen Stab. Natürlich treffe ich die Entscheidungen, aber ich gebe meinen Leuten mein ganzes Vertrauen und übertrage meine Verantwortung.

So wird deutlich, dass es tatsächlich seine United-Vergangenheit ist, die Solskjaer den aktuellen Erfolg beschert. Als er 2014 Cardiff City für 30 Spiele trainierte, ging das gehörig schief und führte zum Abstieg der Waliser. Aber Cardiff City ist eben nicht Manchester United. Das Theater der Träume, das ist die Bühne von Ole Gunnar Solskjaer.