Vor kurzem war die chinesische Super League wieder einmal in den Schlagzeilen. Und wieder einmal aus weniger schmeichelhaften Gründen. „Wenn jemand überbezahlt nach China gehen will, um für zwei oder drei Jahre ein Scheiß-Leben zu haben, dann ist das nicht mein Problem. China ist für mich nicht wettbewerbsfähig“, hatte Aurelio de Laurentiis, Präsident der SCC Neapel, jüngst gesagt.

Der 70-Jährige hatte vor einigen Monaten seinen Star Marek Hamsik an das Reich der Mitte verloren und ist dementsprechend nicht gut auf die Super League zu sprechen. Von der Passage mit dem „Scheiß-Leben“ einmal abgesehen – wie schlimm kann es schon sein, in China Millionen zu scheffeln – spricht der 70-Jährige jedoch durchaus wahre Punkte an. Spieler werden seit Jahren mit viel Geld ins Reich der Mitte gelockt und verschwinden sportlich von der Bildfläche. FT hat die vergessenen Stars in drei Kategorien eingeteilt.

Die Neueankömmlinge

Neben Hamsik sind im Kalenderjahr 2019 zahlreiche andere kleinere und größere Stars in die Super League gewechselt: Talisca (ehemals Benfica Lissabon), Marouane Fellaini (Manchester United), Mousa Dembélé (Tottenham Hotspur), Stephan El Shaarawy (AS Rom), Marko Arnautovic (West Ham) Miranda (Inter Mailand) und Sandro Wagner (FC Bayern).

„Ach, den gibt’s auch noch?“

Verschiedene Altstars verdienen in China abseits der großen Scheinwerferlichter ihre Millionen. Manche von ihnen sind schon so lange in Fernost, dass man sich an ihre durchaus ansprechende Karriere in Europa kaum noch erinnern kann. In diese Kategorie fällt beispielsweise Ezequiel Lavezzi: Einst ein gefeiertes Talent in Argentinien, dann Star für die SSC Neapel und Paris St. Germain. Seit 2016 beim mittelmäßigen Klub Hebei China Fortune im fußballerischen Vorruhestand.

Im gleichen Atemzug ist Graziano Pellè zu nennen. Der 20-fache italienische Nationalspieler war in seiner Karriere zwar nicht so erfolgreich wie Lavezzi, schien nach einer starken EM 2016 aber auf dem richtigen Weg. Der führte ihn dann aber nicht zu einem Topklub, sondern im Anschluss an das Turnier zu SD Luneng.

Ebenfalls in diese Kategorie ist Javier Mascherano einzuordnen. Der Argentinier wechselte zwar erst 2018 nach China, hätte aber gefühlt auch genauso gut seine aktive Karriere beenden können. In beiden Fällen heißt es: Aus den Augen, aus dem Sinn. So wie bei Oscar. Der 28-Jährige wechselte Anfang 2017 viel zu jung vom FC Chelsea zu Shanghai SIPG. Immerhin: Schon bei den Blues zeigte sich, dass der Spielmacher leistungstechnisch wohl das Ende der Fahnenstange erreicht hatte. Anstelle für den langsamen sportlichen Abstieg entschied sich Oscar also für den schlagartigen – und deutlich lukrativeren.

Was wäre wenn?

Hierzu zählen Spieler, die in die Super League gewechselt sind, obwohl sie auf der Höhe ihres Schaffens waren oder den Zenit noch vor sich hatten. Bestes Beispiel ist hierfür Alex Teixeira. Der Brasilianer zerlegte in der Hinrunde der Saison 2015/16 mit Shakhtar Donetsk die ukrainische Liga. Nach 22 Toren und drei Vorlagen in 15 spielen konnte sich Texeira seinen nächsten Klub förmlich aussuchen. Er wählte Jiangsu Suning. Wie er sich in der Premier League geschlagen hätte, wird man wohl nie erfahren.

Gleiches gilt für Renato Augusto, der viereinhalb Jahre bei Bayer Leverkusen gezaubert hatte, eher er aufgrund privater Probleme nach Brasilien zurückkehrte. Als gereifter Spieler hätte er 2016 nach Europa zurückkehren können, ging aber zu Beijing Guoan. Auch Hulk, die Urgewalt, die einst beim FC Porto verzückte, folgte dem Geld – und das gleich zweimal. Sportlich waren seine Transfers zu Zenit St. Petersburg (2012) und Shanghai SIPG (2016) nicht zu erklären. Wie auch der Transfer von Yannick Carrasco von Atlético Madrid zu Dalian Yifang 2018.