Dass es in der Bundesliga schon längst Trend ist, junge Talente aus der Premier League zu verpflichten, ist bekannt. Auch in diesem Transfersommer bedienten sich die deutschen Klubs wieder in Europas Topliga. RB Leipzig holte Ethan Ampadu für die Abwehr, Hertha BSC den Stürmer Daishawn Redan (beide FC Chelsea). Schalke lieh Jonjoe Kenny vom FC Everton aus. Insgesamt wechselten zehn Spieler aus England nach Deutschland.

Genauso beliebt wie die Premier League ist in den Büros der Bundesliga-Sportchefs mittlerweile jedoch ein einzelner Klub: Paris St. Germain. Der französische Meister ist für seine gute Jugendarbeit bekannt, die schon so manchen Star hervorgebracht hat.

Perspektivlos in Paris

Das Problem der Pariser: Sie schaffen es nicht, ihre Talente langfristig zu halten. Mit Moussa Diaby (Bayer Leverkusen) und Christopher Nkunku (RB Leipzig) sind in diesem Sommer bereits zwei Talente nach Deutschland gewechselt. Sie gesellen sich zu Spielern wie Jean-Kévin Augustin (RB Leipzig) Dan-Axel Zagadou (BVB) und Kingsley Coman, der PSG verließ und über Umwege zum FC Bayern fand. Mit Stanley Nsoki, an dem der FC Schalke 04 Interesse hat, könnte schon bald der Nächste folgen.

Aber warum entscheiden sich immer wieder hochbegabte Eigengewächse dazu, Paris gegen die Bundesliga einzutauschen? Der erste und offensichtlichste Grund ist, dass PSG den jungen Spielern keine Spielpraxis garantieren kann. „Dort sind große Stars, da ist es für junge Spieler schwer“, fasste Diaby kurz nach seinem Wechsel zu Bayer die Lage zusammen.

Wenn an der Seine eine Kaderlücke geschlossen werden muss, entscheidet sich der Scheichklub in der Regel dazu, einen teuren Star zu verpflichten, anstatt konstant auf einen Youngster aus den eigenen Reihen zu setzen. In der Bundesliga fällt es den PSG-Juwelen deutlich leichter sich durchzusetzen, da die Konkurrenz geringer ist, ihre Top-Ausbildung aber dennoch zur Geltung kommt.

Financial Fairplay spielt mit

Die Transferpolitik der Pariser ist es auch, die dazu führt, dass vor allem in diesem Sommer mehr Eigengewächse als üblich den Klub verlassen. Nach Jahren der großen Investitionen fehlt PSG auch wegen des Financial Fairplays der UEFA das Geld, um neue Stars zu kaufen. Zunächst muss der Klub Spieler abgeben. Und junge aufstrebende Talente lassen sich nun einmal leichter verkaufen als hochbezahlte Altstars.

Dass es die PSG-Talente ausgerechnet nach Deutschland zieht, könnte auch mit Thomas Tuchel zusammenhängen. Der Trainer kennt sich nach vielen Saisons als Übungsleiter von Borussia Dortmund und Mainz 05 bestens in der Bundesliga aus und ist nach wie vor gut vernetzt.

Tuchel rät zu Wechsel

Seinen Eigengewächsen rät er so teils aktiv zu einem Wechsel. „Thomas Tuchel hat mich letztlich bestärkt, hierhin zu kommen“, verrät Diaby. In Leverkusen will er zum französischen Nationalspieler werden: „Mein Ziel ist es, meine Nation zu repräsentieren. Deshalb bin ich nach Deutschland gewechselt. Ich glaube, dass es mir hilft, mich zu entwickeln.“ Der 20-Jährige wird wohl nicht der letzte Spieler sein, der PSG in Richtung Bundesliga verlässt.