Zwingend handeln wollte Schalke 04 in der Winterpause eigentlich nicht. So kommunizierte es auch Manager Christian Heidel. Die anhaltende Verletzungsmisere zwang den 53-Jährigen aber schließlich doch zu Nachjustierungen auf dem Transfermarkt. Und Heidel löste die Aufgabe wieder einmal unaufgeregt und vielversprechend. Aber sind die Transfers auch tatsächlich sinnvoll?

Insbesondere bei der Verpflichtung von Holger Badstuber scheiden sich die Geister. Die einen freuen sich über einen erfahrenen, spielstarken Innenverteidiger. Die anderen monieren seine evidente Verletzungsanfälligkeit. Dass ein zusätzlicher Innenverteidiger nach den jüngsten Ausfällen von Benedikt Höwedes und Matija Nastasic geholt werden musste, darüber war man sicher relativ einig. Auch dass sich S04 für eine Leihe entschied, ist angesichts der Perspektive von Eigengewächs Thilo Kehrer nachvollziehbar. Wenngleich es sicherlich als Coup zu verstehen gewesen wäre, hätte Schalke Badstuber dauerhaft verpflichten oder mit den Bayern eine Kaufoption vereinbaren können. Das aber kam für den Rekordmeister und auch für Badstuber nicht in Frage.

Zweifel kommen zwangsläufig

In jedem Fall geht Schalke mit dem 27-Jährigen ein Risiko ein. Inwiefern dieses kalkulierbar ist, darüber wird man in der Führungsetage in Gelsenkirchen sicherlich ausgiebig diskutiert haben. Ausgeschlossen werden kann eine Verletzung ohnehin nie, erst recht nicht beim leidgeplagten Ex-Nationalspieler. Einen derart sensiblen Akteur zu holen, wenn das größte Problem des Kaders ohnehin schon die Verletzungsanfälligkeit ist, lässt Zweifel unwillkürlich zu. Bleibt Badstuber fit, können alle Parteien nur gewinnen. Laut Heidel ist der Linksfuß schließlich einer der spielstärksten Innenverteidiger überhaupt. Verletzt er sich aber, ist Königsblau keinen Schritt weiter – im Gegenteil. Immerhin kostet das Leihgeschäft 1,5 Millionen Euro, die man dem Leiharbeiter an Gehalt zahlen muss. Und Weinzierl käme bei seiner phasenweise so überzeugenden Dreierkette wieder einmal in die Bredouille.

Chancen überflügeln Risiko

Im Fall Burgstaller muss sich Schalke die Frage gefallen lassen, ob die Qualität des Angreifers für die ambitionierten Ziele auf höchstem Niveau ausreicht. S04 will schließlich mindestens in die Europa League. Acht Punkte ist dieses Ziel aktuell entfernt. Und Burgstaller ist vorerst der einzige etatmäßige Mittelstürmer, der Trainer Weinzierl zur Verfügung steht. Der wie Badstuber 27-Jährige kommt allerdings mit viel Selbstvertrauen. Seine Trefferquote (28 Tore) ist seit rund eineinhalb Jahren ebenso konstant wie seine Gesundheit. Nie war der wuchtige und kampfstarke Angreifer verletzt. Zudem wurde er unlängst zum besten Stürmer der zweiten Liga gekürt.

Zwar deutete zwischenzeitlich einiges daraufhin, dass Schalke auch im Sturm eine Leihe anstrebt, das aber wäre beinahe schon fahrlässig gewesen. Das Interesse – und auch der Transfer – waren auch mit Blick auf den sich abzeichnenden Abschied von Klaas-Jan Huntelaar im Sommer zwangsläufig. Auch andere Bundesligisten sowie Klubs aus England umgarnten Burgstaller. Letztlich schnappte Heidel zu. Denn die Chancen überflügeln das Risiko signifikant. 1,5 Millionen Euro ist ein sehr guter Preis für einen gestandenen Torjäger.

Selbst wenn Burgstaller sich bei S04 nach der Rückkehr der etablierten Kräfte nicht durchsetzen kann, besitzt er einen Vertrag bis 2020. Dann könnte Schalke ihn letztlich gewinnbringend weiterverkaufen. Der Österreicher verfügt aber durchaus über die Klasse, auch auf Schalke zu begeistern. Vieles wird von den ersten Auftritten in königsblau abhängen. Auf dem Spiel steht jedoch die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb.