Antônio Augusto Ribeiro Reis Júnior könnte dem Namen nach zu urteilen auch Latino-Charmeur in einer knisternden Action-Schnulze Hollywoods sein. In seiner Freizeit bezirzt er gerne lüsterne Damen, beruflich begeht er skrupellose Auftragsmorde, aus der Ferne, bevorzugt Ziele in weiter Entfernung – irgendwie muss auch er ja seine Brötchen verdienen. Allerdings ist der Brasilianer kein Schauspieler, sondern Fußballprofi. Besser bekannt unter dem Namen Juninho Pernambucano, kurz: ‚Juninho‘. Als Auftragskiller könnte der Brasilianer aufgrund seiner geschossartigen Standards dennoch bezeichnet werden – Andreas Reinke und Oliver Kahn werden wohl mit gesenktem Blick nickend d’accord gehen. Nach 23 Jahren hing der Brasilianer genau heute vor einem Jahr seine Treter an den Nagel.

Eine Komposition aus Schussgewalt, Gefühl und Chuzpe

Geneigte Fußballästheten und -romantiker auf der ganzen Welt verbinden mit Juninho insbesondere dessen brillante Freistöße. Mit unnachahmlicher Präzision jagte der 1,79 Meter große Mittelfeldspieler seine Freistöße in gekonnter Regelmäßigkeit zielgenau in die Maschen des gegnerischen Gehäuses.

Dabei zirkelte er den Ball nicht etwa wie sein Landsmann Ronaldinho über die Mauer oder hämmerte ihn á la Roberto Carlos ins Gebälk, sondern wuchtete das ‚Leder‘ mit perfekter Schusstechnik, unnachahmlichem Ballgefühl und einer gehörigen Prise Dreistigkeit flatternd Richtung Ziel. Der Freistoß-Legende nach, trieben die Wunderstandards des ehemaligen Nationalspielers den gegnerischen Torhütern reihenweise den Schweiß auf die Stirn. Für seine Fans hingegen glichen die Standards meist einer Ode an die Freude.

Blütezeit im Stade Gerland

Seine ganz große Zeit hatte der Feingeist von 2000 bis 2009 bei Olympique Lyon. Insgesamt erzielte er 100 Tore für den damaligen französischen Serienmeister, davon 44 per Freistoß. Zudem bereitete er 59 Treffer vor und holte insgesamt siebenmal den Meistertitel in der Ligue 1. Für die ‚Seleção‘ lief er insgesamt 40-mal auf, wobei das Vorbild von HSV-Juwel Hakan Calhanoglu sechsmal traf. Nach der WM 2006 zog er sich jedoch aus der Nationalmannschaft zurück.

2009 kehrte Juninho Lyon schließlich den Rücken und wechselte für 2,5 Millionen Euro zu Al-Gharafa Sports Club nach Katar. Nach knapp zwei Jahren zog es den Scharfschütze zurück in die Heimat zu Vasco da Gama, von wo er einst nach Europa wechselte. 2013 legte das teils etwas schlampige Genie ein halbjähriges Intermezzo bei den New York Red Bulls ein, ehe er nach Rio de Janeiro zurückkehrte.

Obwohl es für den König des ruhenden Balles nie zur ganz großen Karriere reichte, wird Juninho in den Herzen der Fußballfans, insbesondere derer, die sich einst von seinen Freistößen verzücken ließen, wohl immer in Erinnerung bleiben.