In zwei, drei Jahren kann ich den Ballon d´Or gewinnen“, sagte Mario Balotelli im Gespräch mit ‚Canal+‘ nach seinem Wechsel zu OGC Nizza. Sätze wie diese erwartet man nicht von jemandem, der gerade beim FC Liverpool aussortiert und ablösefrei an die Côte d’Azur abgeschoben wurde. Aber an Selbstbewusstsein mangelte es dem Sohn ghanaischer Einwanderer noch nie. Drei Spieltage in der Ligue 1 später muss die Fußballwelt erneut feststellen: Das fußballerische Talent ist zweifellos enorm. Nach einer Odyssee durch Europa scheint Balotelli unter Lucien Favre sportlich endlich wieder in die Spur gefunden zu haben.

Das Problemkind

Als Balotelli 2006 von seinem Jugendklub AC Lumezzane zum großen Inter Mailand wechselte, galt er noch als hoffnungsvolles Talent. Neun Jahre später ist nur noch vom Enfant Terrible die Rede. Dabei hatte die Karriere des Mittelstürmers so vielversprechend begonnen. Mit 17 Jahren debütierte er in der Serie A, mit 19 berief Cesare Prandelli ihn zum ersten Mal in den Kader der Nationalmannschaft. Der vorläufige Höhepunkt seiner jungen Karriere war der Wechsel zu Manchester City für 30 Millionen Euro. Damals wie heute viel Geld für einen 20-Jährigen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Balotelli seinen Ruf als Enfant Terrible bereits hart erarbeitet. Inter-Coach José Mourinho, seines Zeichens selbst ein exzentrischer Charakter, stempelte ihn schnell als „untrainierbar“ und „durchgeknallt“ ab. Für City schoss Balotelli in 80 Spielen zwar 30 Tore, wurde aber hauptsächlich durch Disziplinlosigkeiten und Sperren auffällig.

Zweimal Mailand und zurück

2013 erfolgte dann der Wechsel in die Heimat. Tatsächlich sah es dort lange Zeit danach aus, als könne Balotelli sein sportliches Versprechen einlösen. Stolze 30 Tore für die Rossoneri brachten ihn auf den Radar des FC Liverpool, die 20 Millionen für einen angemessenen Preis hielten. Doch wieder erwies sich die Insel als schlechtes Pflaster für den Italiener.

Nur ein Tor gelang ihm in der Saison 2014/15. Oft verletzt und selten im Kader wurde Balotelli schließlich an seine alte Wirkungsstädte ausgeliehen, nicht aber ohne vorher noch Jugendspieler der Reds im Klubhaus mit Dartpfeilen zu bewerfen. Beim AC Mailand wurde es ruhiger um Balotelli, doch auch auf dem Platz blieb er einiges schuldig. An der Anfield Road fand man nach seiner Rückkehr keine Verwendung mehr. Schon vor dem ersten Training machte Jürgen Klopp unmissverständlich klar, nicht mit dem Torjäger zu planen.

Enfant Terrible oder Super Mario?

Ich denke, dass dieses Jahr sehr gut sein wird“, sagte Balotelli bei seiner Vorstellung an der Côte d’Azur. Vier Tore in zwei Spielen geben ihm bislang Recht. Am vergangenen Spieltag schnürte er gegen die AS Monaco einen Doppelpack und schoss das Team von Lucien Favre an die Tabellenspitze. Der Ex-Gladbacher bescheinigte seinem Mittelstürmer schon bei seiner Ankunft „enorme Fähigkeiten“. Bereits am Niederrhein hatte Favre aus Hitzkopf Granit Xhaka einen der besten Sechser der Bundesliga geformt.

Doch die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Balotelli gerne einmal zwischen Genie und Wahnsinn pendelt. Die Linie zwischen Super Mario und Enfant Terrible ist dünn und für den heute 26-Jährigen meist aus weißer Kreide. Er sei kein Risiko, sagte er jüngst. Man möchte ihm derzeit fast glauben.