Das 2:0 im Spitzenspiel gegen Olympique Lyon blieb am Sonntag eine Randnotiz. Die Aufmerksamkeit der Zuschauer richtete sich auf Vorkommnisse während der Partie, die weitreichende Folgen für Paris St. Germain haben könnten.

Diskussionen zwischen Neymar & Cavani

In der 57. Spielminute beim Stand von 0:0 – also bei weitem nicht zu einem Zeitpunkt, an dem persönliche Ambitionen über die des Teams gestellt werden sollten – bekam PSG einen Freistoß in aussichtsreicher Position zugesprochen. Es kam zur Diskussion zwischen dem etatmäßigen Schützen Edinson Cavani und Millionen-Transfer Neymar, der sich ebenfalls bemüßigt fühlte, von nun an die Standards an der Seine in Richtung gegnerisches Tor zu zaubern.

Beendet wurde die lautstarke Debatte dann ausgerechnet von Dani Alves – ebenfalls Neuzugang und Landsmann von Neymar. Der 34-Jährige schob sich kurzerhand zwischen Ball und Cavani und bugsierte den Uruguayer mit seinem Hinterteil vom Ball weg. So war die Bahn frei für seinen Kumpel Neymar, der mit dem Freistoß am Ende nichts anzufangen wusste.

20 Minuten später dann Elfmeter für PSG. Wieder die gleiche Situation, doch dieses Mal behielt Cavani in dem Disput die Oberhand. Dass sein Strafstoß an der Latte landete – ebenfalls eine Randnotiz.

Streit wird zum Politikum

Die französische Sportzeitung ‚L’Équipe‘ ist der Sache nun auf den Grund gegangen. Und es steckt offenbar deutlich mehr dahinter als das überzogene Ego zweier erfolgreicher Fußballspieler. Beim Scheichklub sehe der Plan vor, Neymar mittelfristig als Vereinsikone zu installieren. Er soll das neue Gesicht der Pariser werden. Und dazu gehöre eben auch, den 25-Jährigen mit allen Freiheiten und Kompetenzen auf dem Platz auszustatten.

Sein Gegenpart Cavani zog im Anschluss an das Spiel gegen Lyon übrigens wort- und grußlos von dannen. Weder den eigenen Fans noch den wartenden Journalisten schenkte der Angreifer Aufmerksamkeit. Ihn zog es sofort in die Kabine, in der der Streit laut ‚L’Équipe‘ einige Minuten später seine Fortsetzung fand.

Cavani wollte Neymar zur Rede stellen, erntete aber den Missmut des Brasilianers, der sich in der vom Verein versprochenen Rolle nicht gewürdigt fühlte. Erst ein beherztes Eingreifen von Kabinen-Chef Thiago Silva und Marquinhos verhinderte eine körperliche Auseinandersetzung, so die ‚L’Équipe‘.

FT-Meinung: Es scheint ganz so, als habe sich PSG mit den Versprechungen für Neymar ein Ei ins Nest gelegt. Spieler wie Cavani werden ihre Kompetenzen nicht widerstandslos abgeben. Die aktuelle Konstellation birgt weiteres Konfliktpotenzial – zumal auch der momentan noch etwas schüchterne Kylian Mbappé Ambitionen anmelden wird.