Für Pep Guardiola ist das Champions League-Spiel gegen den FC Barcelona auch eine Rückkehr in sein altes Wohnzimmer. Der gebürtige Katalane verbindet unzählige schöne Erinnerungen mit Barça. Doch es gibt auch düstere Kapitel. So stieß Guardiola schon in seiner Zeit als Trainer das enge Verhältnis einiger Vereinsverantwortlicher mit den hiesigen Zeitungen auf. Die ‚Mundo Deportivo‘ hat den 45-Jährigen noch heute auf dem Kieker.

Immer wieder schreibt das Blatt, Guardiola versuche Spieler vom FC Barcelona wegzulocken. Zuletzt hieß es, er habe Lionel Messi und Neymar kontaktiert. Guardiola nutzt nun die Rückkehr in seine alte Heimat, um die Dinge aus seiner Sicht darzustellen. „Ich habe Messi nicht angerufen, denn ich will, dass er noch lange in Barcelona spielt. Ich hoffe, dass er seine Karriere hier beendet. Aber vielleicht entscheidet sich der Junge eines Tages, dass er woanders spielen will. Vielleicht will er, dass seine Kinder Englisch lernen, ich weiß es nicht. Und wenn das passiert, was ich nicht hoffe, dann wird es vier, fünf, sechs, sieben Vereine geben, die ihn verpflichten wollen. Aber es liegt an Messi, was er will. Nicht an mir“, so der Coach von ManCity auf einer Pressekonferenz.

Etwas anders war die Ausgangsposition, als Thiago dem Lockruf Guardiolas nach München folgte. Guardiola berichtet: „Er wollte spielen, immer. Sein Berater ist mein Bruder und ich habe ihn geholt“. Neymar hingegen wollte er dem FC Barcelona nach eigener Aussage nicht vor der Nase wegschnappen: „Zwei drei Jahre davor habe ich Neymar angerufen, damit er in Barcelona unterschreibt. Als ich dann in New York war (kurz vor seinem Engagement beim FCB, d. Red.), habe ich herausgefunden, dass Barça Zweifel hat und ich habe seinen Vater angerufen, um mich zu erkundigen. Aber ich habe ihm gesagt: ‚Wenn ihr die Chance habt, nach Barcelona zu gehen, dann macht das.‘ Sein Vater kann das bestätigen.“

„Vielleicht rufen sie Bartomeu mal an“

Einmal in Rage nahm Guardiola auch noch Stellung zu den Vorwürfen, er hätte die halbe Mannschaft des spanischen Meisters bezüglich eines Wechsels nach England kontaktiert: „Ich wiederhole: Ich habe Messi, Suárez, Neymar, Busquets oder Iniesta nicht angerufen. Ter Stegen ist ein anderer Fall. Er wollte spielen, hat dann aber entschieden zu bleiben. Wir haben einen Keeper wie ihn gebraucht und dann Bravo geholt. Wenn ich einen Spieler von Barcelona anrufe, dann nur, weil er dort nicht spielt. Und ich habe das Recht dazu. Barcelona ruft auch Spieler an.“

Einen Seitenhieb in Richtung seines Ex-Arbeitgebers konnte sich der Startrainer dann am Schluss nicht verkneifen: „Bei Barça gibt es einige Kämpfe, die schon verloren sind, bevor sie begonnen haben. Ich weiß das seit Jahren. Ich kenne diesen Ort gut, aber es wäre gut, wenn die Leute die verschiedenen Versionen der Geschichte prüfen würden.“

Und auch für die ihm nicht wohlgesonnenen Journalisten hat Guardiola einen Rat: „Wenn sie mir nicht glauben, dann haben sie ja einen guten Draht zu Präsident Bartomeu. Sie haben seine Nummer und vielleicht rufen sie ihn mal an. Er kann die Stories vielleicht besser erzählen als ich.“

Wenn heute Abend um 20:45 Uhr im Camp Nou angepfiffen wird, gibt es ohnehin nur eine Wahrheit. Und die liegt bekanntermaßen auf dem Platz.