Das verflixte dritte Jahr. Schon vor Saisonbeginn geriet José Mourinho in Verdacht, einmal mehr in der dritten Saison bei einem Verein die Kontrolle über sein Team zu verlieren. So geschehen bei Real Madrid wie auch in seiner zweiten Amtszeit beim FC Chelsea. Es scheint etwas dran zu sein an der These, dass sich der schroffe Portugiese nach zwei Saisons abnutzt.

Nun bei Manchester United begann das verflixte dritte Jahr tatsächlich schon während der Transferphase. Mourinho wollte unbedingt die Abwehrzentrale stärken, jammerte bereits vor Saisonstart über zu geringe Investitionen. Kurz vor Transferschluss sagte er öffentlich in Richtung Ed Woodward: „Mein Geschäftsführer weiß, was ich will und wir haben noch ein paar Tage Zeit abzuwarten, und zu sehen, was passieren wird.“ Es passierte nichts.

Zwei Niederlagen in Folge

Fast schon überraschend gelang den Red Devils immerhin der Auftaktsieg gegen Leicester City (2:1). Es folgte eine hochverdiente 2:3-Pleite bei Abstiegskandidat Brighton & Hove Albion, ehe man am gestrigen Montagabend mit 0:3 gegen Tottenham Hotspur baden ging. Es war die höchste Heimniederlage in Mourinhos Trainerkarriere – Fehler eingestehen wollte sich The Special One aber nicht.

Wir waren aggressiv, haben hoch gepresst. Wir haben Chancen ausgelassen. Wir haben ein Spiel verloren, weil wir aus der ersten Ecke des Gegners das 0:1 kassieren. Damit bestimmten sie die Geschichte des Spiels“, sagte Mourinho nach der Partie, „wir haben weder auf strategischer noch auf taktischer Ebene verloren. Aber wir haben das Spiel verloren“. Zugegeben: Das Endergebnis fiel zu hoch aus. Dass bei United Feuer unter dem Dach ist, ist aber kein Geheimnis mehr.

„‚Lass uns den Trainer bloßstellen‘-Veranstaltung“

Auf der Insel gehen manche Medien schon von einer Mourinho-Entlassung am heutigen Montag aus. Der Coach verabschiedete sich nach der Partie auffällig lange bei den Fans im Old Trafford. Kritische Nachfragen auf der Pressekonferenz wollte er im Nachgang aber nicht zulassen. „Wir waren so gut. Aber Sie wollen die Pressekonferenz in eine ‚Lass uns den Trainer bloßstellen‘-Veranstaltung verwandeln“, zischte Mourinho einen Journalisten an, ehe er Respekt für seine Leistungen einforderte. Dazu wählte der 55-Jährige einen prägnanten Vergleich.

Als Mourinho wutentbrannt den Pressesaal verließ, erhob er drei Finger und sagte: „Um das hier zu Ende zu bringen: Was war das Ergebnis? 3:0. Was heißt das? 3:0. Aber diese drei Finger stehen auch für drei Premier League-Titel, die ich gewonnen habe. Alle anderen Trainer zusammen haben nur zwei (Guardiola und Pellegrini, Anm. d. Red.). Es steht 3:2. Also zeigen Sie Respekt. Respekt, Respekt, Respekt.“ Drei Finger hätten auch für das verflixte dritte Jahr stehen können, in dem Mourinho erneut droht, entlassen zu werden. Die Entwicklungen der kommenden Stunden und Tage dürften interessant werden.