Mit den Leistungen von Manchester United in der Post-Ferguson-Ära kann beim englischen Rekordmeister niemand zufrieden sein. Erst recht nicht ein Typ wie Paul Scholes, der seit frühester Jugend die Knochen für die Red Devils hinhielt und mit zwei Champions League-Trophäen und sage und schreibe elf Meistertiteln belohnt wurde.

Scholes fordert „noch ein paar Neue“

Vor allem mit Blick auf die horrenden Ausgaben der vergangenen Jahre erwartet Scholes mehr. „Natürlich erwarten die Fans und auch ich deshalb eigentlich noch mehr“, äußert sich die United-Legende im ‚kicker‘-Interview. Scholes sieht aber dank José Mourinho einen deutlichen Aufwärtstrend: „Wenn man den Spielstil sowie die Ergebnisse etwa unter Louis van Gaal sieht und das mit heute vergleicht, dann ist doch ein ziemlicher Fortschritt festzustellen. Noch ein paar Neue im Sommer und United ist wieder Titelkandidat.

Paul Pogba wechselte im vergangenen Sommer für 105 Millionen Euro zu ManUnited. Zlatan Ibrahimovic kam hingegen ablösefrei. Der schwedische Stürmer beeindruckt Scholes. „Er hat immer auf seinen Körper geachtet und ist physisch auch mit 35 noch bärenstark. Dass er ein Weltklasse-Torjäger ist, hat er schon in mehreren großen Ligen bewiesen. Würde Zlatan in einem Van-Gaal-Team spielen, hätte er Probleme, aber jetzt will United wieder Tore schießen, das passt perfekt zu ihm. Ich hoffe nur, dass der Druck auf ihn nicht zu groß wird, er bräuchte vorne mehr Unterstützung.

Umgang mit Schweinsteiger ist „seltsam“

Scholes macht keinen Hehl daraus, dass er von Mourinho deutlich mehr hält als von dessen Vorgänger Louis van Gaal. Den Umgang mit Bastian Schweinsteiger kritisiert er dennoch: „Es war jedenfalls seltsam. Aber ich fand es bemerkenswert, wie hochprofessionell Bastian reagiert hat, indem er einfach weiterarbeitete, ohne zu jammern. Leider wissen wir alle nicht, woran es genau lag. Bastian war fantastisch bei Bayern und in der Nationalelf. Sein einziges Problem waren Verletzungen, aber in den letzten Wochen hat er ganz normal trainiert. Er kann noch immer ein Spiel kontrollieren, wenn man ihn lässt, und ich hoffe, der Manager lässt ihn. Die Fans jedenfalls lieben Bastian, er ist ein sehr spezieller Spieler.

Nach 17 Jahren in München verließ Schweinsteiger die Bayern 2015. Für Scholes kam ein Abschied von Manchester nie infrage: „Nein, daran habe ich wirklich nie gedacht. Ich bin hier aufgewachsen, das ist mein Zuhause. United ist einer der größten Klubs der Welt, wir haben alles gewonnen. Warum hätte ich wechseln sollen“, versichert der 66-fache englische Nationalspieler, der ein schier unglaubliches Geheimnis lüftet: „Glauben Sie es oder nicht: Ich habe nie etwas von einem Angebot eines anderen Vereins gehört. Vielleicht hat es mir Fergie aber auch einfach nicht gesagt.

Für Scholes war erst mit 38 Jahren endgültig Schluss. Philipp Lahm wird die Fußballschuhe im kommenden Sommer mit 33 Jahren an den Nagel hängen. Eine Entscheidung, die Scholes nicht verstehen kann: „Er macht einen Fehler. Ein Spieler mit seinen Fähigkeiten sollte noch mindestens fünf Jahre spielen. Wirklich sehr schade. Aber es ist natürlich sein gutes Recht aufzuhören, wann er will.

„Habe versucht, so zu spielen wie Kroos“

Als Scholes 1994 sein Profidebüt feierte, war Toni Kroos zarte vier Jahre alt. Umso erstaunlicher, dass der Engländer den Ballverteiler von Real Madrid als Vorbild betrachtete: „Wen ich wirklich sehr mag, ist Toni Kroos“, so Scholes, der den 27-Jährigen zum Ritter schlägt: „Als ich ans Ende meiner Karriere kam, habe ich ihn genau beobachtet und auch versucht, so zu spielen wie Kroos. Ich war vorher eher ein torgefährlicher Mittelfeldspieler, aber Toni ist der beste Spiellenker auf der Welt. Kroos wäre perfekt neben Pogba und Ander Herrera bei United.