Iker Casillas prägte 16 Jahre lang eine Ära im Tor von Real Madrid. Nach dessen schrittweiser Degradierung unter Ex-Coach José Mourinho folgte im Sommer 2015 der für die Real-Anhängerschaft schmerzhafte Abgang der Institution zum FC Porto.

Seither hütet der Costa-Ricaner Keylor Navas den Kasten. Absolut unumstritten ist der 30-Jährige trotz ordentlicher Leistungen allerdings nicht. Nur dem gescheiterten Transfer von David De Gea im Sommer 2015 hat Navas seinen Platz im Tor zu verdanken.

Diesen würden die Verantwortlichen der Madrilenen im Sommer gerne mit einem Torhüter von Weltklasseformat besetzen. Laut dem englischen ‚Telegraph‘ schielt Real dabei auch auf Hugo Lloris von Tottenham Hotspur.

Der französische Nationalkeeper hat sich durch seine Leistungen längst in den elitären Kreis der Weltklasse befördert. Mit den Londonern rangiert er auf dem zweiten Tabellenplatz und ist für die beste Defensive der Liga mitverantwortlich. Auf der Insel ist Lloris vertraglich noch bis 2022 gebunden und dürfte für Real daher ähnlich teuer zu stehen kommen wie die anderen drei Kandidaten.

Bedient sich Real in England?

Einer dieser Kandidaten ist Thibaut Courtois, der nur einen Gegentreffer mehr als Lloris kassierte, dafür aber die Tabellenspitze der Premier League einnimmt. Der Torhüter des FC Chelsea ist wohl auch aufgrund seines Alters der Favorit des Champions League-Siegers von 2016. Mit seinen 24 Jahren könnte der belgische Nationaltorhüter über Jahre, ähnlich wie zuvor San Iker, ein prägendes Gesicht des elffachen Europapokalsiegers werden.

Für einen Transfer spricht der lediglich bis 2019 datierte Vertrag Courtois’. Dagegen allerdings sein Arbeitgeber, der sich weder finanziell noch vom Ansehen her vor Real verstecken muss und in der Lage ist, dem schlaksigen Schlussmann ein neues Arbeitspapier schmackhaft zu machen.

Donnarumma gehört die Zukunft

In puncto langfristige Nummer eins würde die Verpflichtung von Gianluigi Donnarumma die sinnvollste Lösung darstellen. Der erst 17-Jährige vom AC Mailand kommt trotz seiner jungen Jahre bereits auf sagenhafte 56 Pflichtspieleinsätze für die Rossoneri. Der zweifache italienische Nationalspieler ist bis 2018 an die Lombarden gebunden.

Donnarumma gilt längst als designierter Nachfolger von Italien-Legende Gianluigi Buffon im Tor der Squadra Azzurra und als vermutlich größtes und spektakulärstes Torhüter-Talent der Welt. Ob das Weiße Ballet allerdings bereit ist, einem zweifelsfrei talentierten, allerdings auf internationalen Niveau noch unerfahrenen Teenager den Platz zwischen den Pfosten bereits im Sommer anzuvertrauen, ist zumindest fraglich.

De Gea bleibt ein Thema

David De Gea von Manchester United komplettiert das Torhüter-Quartett. Der Spanier wäre bereits 2015 fast nach Madrid zurückgekehrt. Der aus der Jugend von Stadtrivale Atlético stammende Keeper war als Casillas-Nachfolger vorgesehen. Der Wechsel scheiterte in den letzten Stunden des Transferfesnters. Der Kontakt riss seitdem nie gänzlich ab und so ist der 26-Jährige weiterhin ein Anwärter auf die Nummer eins im Santiago Bernabéu.

De Gea ist noch bis 2019 an die Red Devils gebunden. Eine Rückkehr in die Heimat dürfte für ihn immer noch eine interessante Option sein. Trainer José Mourinho wird hingegen alles daran setzen, seinen Schlussmann zu halten und ihn vom Projekt United zu überzeugen.

FT-Meinung: Vier Nationaltorhüter hat Real Madrid auf der Liste. Ein schillernder Schlussmann soll das verspätete Erbe von Casillas antreten. Lloris würde nicht viel mehr Glanz als Navas bedeuten und ist zudem nicht jünger als der aktuelle Torhüter der Königlichen. Courtois und De Gea befinden sich im perfekten Alter und stellen die beste Mischung aus Leistungsfähigkeit, Potenzial und Strahlkraft dar. Sie wären sowohl kurzfristig als auch auf lange Sicht die gesuchte Verstärkung.

Donnarumma hingegen wäre die langfristigste Lösung, die allerdings letzte Restzweifel am absoluten Weltklasse-Potenzial noch ausräumen muss. Andererseits könnte Real Donnarumma ohne großes Risiko verpflichten, da man mit Navas einen soliden Torwart besitzt, mit dem man immerhin Champions League-Sieger wurde und an dessen Seite Donnarumma Schritt für Schritt den Platz im königlichen Tor einnehmen könnte.