Böse Zungen würden behaupten, es war der Videoschiedsrichter, der eine neue Ära bei der AS Rom eingeleitet hat. Zweimal griff der VAR im Champions League-Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Porto ein, zweimal entschied er zu Ungunsten der Roma. Ein Halten von Alessandro Florenzi im Strafraum, das zunächst ungeahndet geblieben war, führte zum entscheidenden Tor per Elfmeter. Wenig später wurde ein mögliches Foul im Sechzehner am Römer Patrick Schick nach Überprüfung nicht sanktioniert.

Über die Szenen lässt sich diskutieren, über das Resultat jedoch nicht: Die Giallorossi schieden nach der 1:3-Auswärtsniederlage im Achtelfinale der Königsklasse aus. Bei der Roma, die sich bei der Auslosung noch sicher gewesen war, auf einen unterlegenen Gegner zu treffen, schrillen seitdem die Alarmglocken – mit weitreichenden Folgen.

Neuer Trainer, neuer Sportchef

Schon am gestrigen Donnerstag wurde Trainer Eusebio Di Francesco vor die Tür gesetzt. Auf den 48-Jährigen, der im Sommer 2017 in der italienischen Hauptstadt übernommen hatte, folgt Routinier Claudio Ranieri. Der Meistermacher von Leicester City aus dem Jahr 2016 wurde schon heute vorgestellt.

Nicht nur auf der Trainerbank der Roma ist es zu Veränderungen gekommen. Auch in der Sportlichen Leitung des Klubs wurde ein Umbruch eingeleitet. Die Giallorossi und Sportchef Monchi, der seit Sommer 2017 die Transfers einfädelte, gehen einvernehmlich getrennte Wege.

Verkorkste Saison

Angesichts des Erfolgs der vergangenen Saison, in der die Römer bis ins Champions League-Halbfinale vorgestoßen waren, kommt der radikale Schnitt des Vereins überraschend. Doch der Haussegen hängt beim aktuell Tabellenfünften (28 Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze) schon länger schief. Nach einem Kaderumbruch im Sommer hat Rom nie wirklich in die Spur gefunden. Der Saisonstart wurde in den Sand gesetzt. Nach fünf Punkten aus fünf Spielen forderten nicht wenige Tifosi bereits von Di Francescos Entlassung .

Der Trainer hatte es nicht geschafft, aus seiner neuen Mannschaft eine homogene Truppe zu formen. Sportchef Monchi muss sich zudem den Vorwurf gefallen lassen, bei einigen Neuzugängen daneben gegriffen zu haben. Die Rekordeinnahmen von knapp 150 Millionen Euro wurden fast komplett reinvestiert. Den Verlust von Leistungsträgern wie Alisson oder Radja Nainggolan konnte er damit jedoch nicht kompensieren.

Vor allem die teuren Neuzugänge wie Javier Pastore oder Justin Kluivert können nicht oft genug überzeugen. Glücksgriffe wie Nicolò Zaniolo der zum Schnäppchenpreis von 4,5 Millionen Euro von Inter Mailand kam, können darüber nicht hinwegtäuschen. Di Francescos und Monchis Tage in Rom sind also gezählt. Böse Zungen würden behaupten, es lag am Videoschiedsrichter. Ganz der Wahrheit entspräche das aber nicht.