Inter Mailand hat seit fünfeinhalb Jahren eine echte Waffe im Team: Mauro Icardi. Auch als die Nerazzurri ins obere Mittelfeld der Serie A abstürzten, war der Argentinier einer der wenigen Lichtblicke. 122 Tore stehen in 210 Spielen für Inter zu Buche. In der vergangenen Spielzeit schoss Icardi den Königsklassen-Sieger von 2010 mit 29 Buden und der Kapitänsbinde am Arm zurück in die Champions League.

Doch nun droht die Waffe und das Aushängeschild des Klubs zum Problem zu werden. Am Mittwoch gab Inter bekannt, dass Icardi als Spielführer von Samir Handanovic abgelöst wird. Anschließend war der Starstürmer derart pikiert, dass er seine Nominierung für das Europa League-Spiel gegen Rapid Wien (1:0) am gestrigen Donnerstag verweigerte. Inter-Coach Luciano Spalletti kommentierte: „Er hat uns alle blamiert.“

Fronten verhärtet

Doch was war geschehen? Icardi ist noch bis 2021 an Inter gebunden. Da er aber für festgeschriebene 110 Millionen Euro wechseln darf, bemühen sich die Mailänder schon eine ganze Weile um eine Verlängerung. In den vergangenen Wochen sah es zwischenzeitlich auch so aus, als würde man zu einer Einigung gelangen. Doch mittlerweile sind die Fronten verhärtet.

Icardis Ehefrau Wanda Nara, die ihm auch als Beraterin zur Seite steht, fordert eine Menge Geld von Inter. Statt der bisher 4,5 Millionen Euro geht es mittlerweile wohl um ein Jahresgehalt von sieben bis zehn Millionen. In der Hinterhand hat die Icardi-Seite das seit Jahren schwelende Interesse von Real Madrid. Auch weitere Topklubs haben den Knipser selbstverständlich auf dem Zettel.

Hintergründe unklar

Wie genau es nun vom Gehaltsstreit zum ganz großen Krach kam, ist weiter fraglich. Nara pikste Inter immer wieder mal mit ihren öffentlichen Auftritten, in denen sie Geheimnisse aus dem Innersten des Teams ausplauderte. Aber deswegen den Unmut der sportlichen Lebensversicherung riskieren? Inter wäre nicht mehr ganz bei Trost.

Es muss mehr dahinterstecken. Auch mehr als Piero Ausilio bei ‚Sky Italia‘ verraten will. „Unsere Gründe (für die Degradierung, Anm. d. Red.) sind ernst und valide. Es gibt da nichts weiter zu erklären“, so der Inter-Sportdirektor, „das ändert aber nichts daran, dass Mauro wichtig für uns bleibt. Er kann Inter noch immer eine Menge geben“. Doch ob Icardi das will?

Hoffen auf Verbleib

Ausilio hofft jedenfalls weiterhin auf eine Verlängerung: „Wir stellen weder seine Professionalität noch seine Qualitäten als Stürmer infrage. Deshalb hoffe ich, dass er noch lange bei uns bleibt.“ Der Sportdirektor vergisst im selben Atemzug aber nicht zu betonen, dass sich „das Wohl des Klubs und der Kabine immer durchsetzen müssen.“

Klar ist: Kommt es nicht zu einer Versöhnung zwischen Klub und Spieler, muss Inter seinen Superstar im Sommer verkaufen. Der ursprüngliche Preis von 110 Millionen Euro könnte damit fallen. Gegenwärtig sind also alle Parteien in einer mehr als unwürdigen Situation. Ob man gemeinsam und gestärkt daraus hervorgehen kann, ist sehr fraglich.

Auf Instagram postete Icardi heute Nacht ein Zitat des amerikanischen Schriftstellers Mark Twain: „Es ist besser, den Mund zu halten und dumm zu wirken, als ihn zu öffnen und alle Zweifel zu beseitigen.“ Was genau er damit mitteilen will, ist Gegenstand von Spekulationen.