Phillip Cocu hatte sich das wohl ganz anders vorgestellt. Nach drei Meistertiteln in vier Jahren als Trainer der PSV Eindhoven suchte er in der Türkei eine neue Herausforderung. Doch sein Engagement bei Fenerbahce endet bereits vier Monate, nachdem es begann. Dem Aus in der Champions League-Qualifikation gegen Benfica Lissabon folgte ein desaströser Saisonstart in der Süper Lig: Nur zwei Siege in zehn Spielen und nur ein Punkt vor einem Abstiegsplatz. Die Verantwortlichen hatten genug gesehen und zeigten dem Niederländer die Tür.

Der Trainer ist mit Sicherheit nicht schuldlos an der Misere beim Klub aus Kadiköy. Nur sieben Tore erzielte das Team in zehn Ligaspielen. Cocu fand zu keiner Zeit die richtige Mischung in Mittelfeld und Angriff, während der Krise stellte er auf eine Dreierkette um. Das Resultat der veränderten Taktik: Eine 1:3-Heimniederlage gegen Aufsteiger Ankaragücü und sein letztes Spiel als Fener-Coach.

Zweifelhafte Kaderentscheidungen

Doch Cocu konnte nur mit dem Kader arbeiten, den das Management seit einigen Jahren zusammenstellt. Mit Giuliano, Fernandao und Josef wurden drei Stammspieler in die saudische Liga abgegeben. Die beiden Erstgenannten waren zuvor hauptsächlich für die Tore zuständig. Nachfolger sind der Schweizer Michael Frey, Islam Slimani und Andre Ayew (beide per Leihe aus der Premier League) für die Offensive sowie Jailson aus der brasilianischen Liga. Alle bleiben bisher den Beweis schuldig, den Ansprüchen einer Topmannschaft in der Türkei zu genügen.

Seit der letzten Meisterschaft 2014 blieb kein Trainer länger als eine Saison beim Verein. Vielen Spielern – wie Giuliano – ergeht es ähnlich. Der Kader liest sich wie ein Panini-Sammelalbum von 2011. Roberto Soldado ist mit 33 Jahren eine Alternative im Sturmzentrum. Mathieu Valbuena sprintet schon länger nicht mehr so dynamisch wie einst die linke Außenbahn entlang. Martin Skrtel, Roman Neustädter und Mauricio Isla sind in der Abwehr Dauerbrenner und alle jenseits der 30.

Niederlagen und Suspendierungen

Es gelang den Verantwortlichen zudem, Vereinslegende Volkan Demirel vor den Kopf zu stoßen. Der 37-jährige Torwart musste nicht nur die Verpflichtung von einem, sondern gleich zwei neuen Torhütern hinnehmen. Harun Tekin kam als neue Nummer eins von Bursaspor, Berke Özer ist ein 18-Jähriges Talent, das im Sommer aus der zweiten türkischen Liga in die Hauptstadt kam. Damit befinden sich fünf Keeper im Kader.

Demirel nahm seine Ausbootung wohl wenig sportlich, was zu seiner Suspendierung führte. Aus ungeklärten Gründen ereilte das gleiche Schicksal Nabil Dirar und Aatif Chahechouhe. Die beiden sind zwar mit 32 Jahren ebenfalls keine Jungspunde mehr, waren aber bereits zu erfolgreicheren Zeiten Stammspieler bei Fenerbahce.

In Anbetracht der Kadersituation beim Traditionsklub war eine Saison wie diese fast schon überfällig. Natürlich reichen große Namen – wie im vergangenen Jahr – in der Süper Lig von Zeit zu Zeit für Platz drei. Nun aber könnte der Verein in eine Abwärtsspirale rutschen. Der Nachfolger von Phillip Cocu, heiß gehandelt wird zurzeit Tayfun Korkut, steht in jedem Fall vor einer großen Herausforderung.